Spitzwegerich essen: Blätter, Blüten und Samen in der Wildkräuterküche
Spitzwegerich kennen viele vor allem aus der traditionellen Hausapotheke. Dabei wird leicht übersehen, dass Plantago lanceolata auch eine interessante essbare Wildpflanze ist.
Und das Spannende daran: Nicht nur die jungen Blätter können in der Küche verwendet werden.
Auch die jungen Blütenstände und später die reifen Samen sind essbar.
Damit begleitet uns Spitzwegerich beinahe durch die gesamte Wildkräutersaison – vom ersten jungen Grün bis zu den trockenen Samenständen.
Kann man Spitzwegerich essen?
Ja, Spitzwegerich ist essbar.
Für die Wildkräuterküche sind vor allem drei Pflanzenteile interessant:
- junge Blätter
- junge Blütenstände
- reife Samen
Je älter die Blätter werden, desto kräftiger und faseriger werden sie. Deshalb eignen sich für viele Gerichte besonders die jungen, zarten Blätter.
Wie bei jeder selbst gesammelten Wildpflanze gilt jedoch:
Iss nur Pflanzen, die du zweifelsfrei bestimmen kannst.
Spitzwegerich sicher erkennen
Spitzwegerich wächst als bodennahe Blattrosette.
Besonders typisch sind seine langen, schmalen und spitz zulaufenden Blätter.
Mehrere kräftige Blattadern verlaufen nahezu parallel vom unteren bis zum oberen Teil des Blattes.
Wenn du ein Blatt vorsichtig auseinanderziehst, können die zähen Leitbündel sogar wie kleine Fäden sichtbar werden.
Aus der Blattrosette wachsen lange, fast blattlose Stiele. Darauf sitzen die kurzen, länglichen bis eiförmigen Blütenstände.
Spitzwegerich oder Breitwegerich?
Beide gehören zur Gattung Plantago, sehen aber unterschiedlich aus.
Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) besitzt lange, schmale und lanzettförmige Blätter.
Der Breitwegerich (Plantago major) hat dagegen deutlich breitere, eher eiförmige Blätter.
Auch Breitwegerich ist essbar. Trotzdem solltest du beim Sammeln immer wissen, welche Pflanze du tatsächlich vor dir hast.
Wo sollte ich Spitzwegerich sammeln?
Spitzwegerich wächst häufig auf Wiesen, Rasenflächen, Böschungen und an Wegrändern.
Nicht jeder Fundort ist jedoch automatisch ein guter Sammelplatz.
Meiden würde ich Pflanzen unmittelbar an:
- stark befahrenen Straßen
- möglicherweise gespritzten Flächen
- intensiv bewirtschafteten Flächen
- stark frequentierten Hundewegen
- offensichtlich verschmutzten Standorten
Sammle außerdem immer nur einen kleinen Teil eines Bestandes.
Junge Spitzwegerichblätter in der Küche
Im Frühjahr und Frühsommer sind die jungen Blätter besonders zart.
Sie schmecken würzig, leicht herb und grün.
Je älter die Blätter werden, desto deutlicher werden ihre kräftigen Fasern.
Deshalb lohnt sich beim Spitzwegerich ein kleiner Trick:
Schneide die Blätter quer zu den kräftigen Blattadern in feine Streifen.
Dadurch werden die langen Fasern zerkleinert und die Blätter lassen sich angenehmer essen.
Was kann man aus Spitzwegerichblättern machen?
Die jungen Blätter lassen sich beispielsweise verwenden für:
- Wildkräutersalat
- Kräuterquark
- Kräuterbutter
- Suppen
- Gemüsegerichte
- Wildkräuterpesto
- Kräutersalz
- herzhafte Aufstriche
- Füllungen
- grüne Wildkräutermischungen
Wenn du Spitzwegerich noch nie gegessen hast, probiere zunächst eine kleine Menge.
So lernst du den Eigengeschmack der Pflanze kennen.
Junge Blütenstände – die kleine Überraschung
Einer meiner liebsten Gründe, Spitzwegerich einmal bewusst zu probieren, sind seine jungen Blütenstände.
Solange sie noch jung und zart sind, können sie ebenfalls gegessen werden.
Und ihr Geschmack überrascht.
Er wird häufig als pilzartig oder an Champignons erinnernd beschrieben.
Gerade deshalb sind die kleinen Blütenstände eine spannende Wildkräuterzutat.
Wie kann man junge Blütenstände verwenden?
Du kannst zunächst einen jungen Blütenstand roh probieren und schauen, wie du das Aroma wahrnimmst.
In der Küche lassen sich die jungen Blütenstände beispielsweise klein schneiden oder kurz anbraten und mit herzhaften Gerichten kombinieren.
Sie passen unter anderem zu:
- Gemüsepfannen
- Eierspeisen
- herzhaften Aufstrichen
- Wildkräutergerichten
- Suppen
- Kartoffelgerichten
Gerade kurz angebraten kann ihr herzhaftes Aroma schön zur Geltung kommen.
Und später kommen die Samen
Wenn die Blüte vorbei ist, ist die kulinarische Zeit des Spitzwegerichs noch lange nicht beendet.
Aus den Blütenständen entwickeln sich Samenstände.
Mit zunehmender Reife werden sie trockener und bräunlicher. Sind sie vollständig ausgereift, lassen sich die kleinen Samen aus den trockenen Ähren herausreiben.
Auch diese Samen sind essbar.
Spitzwegerichsamen in der Küche verwenden
Vollständig getrocknete und gereinigte Spitzwegerichsamen können in kleinen Mengen beispielsweise verwendet werden in:
- Müsli
- Porridge
- Brot
- Brötchen
- Crackern
- Saatenmischungen
- herzhaften Wildkräutermischungen
Geschmacklich sind sie eher mild bis leicht nussig beziehungsweise erdig und lassen sich deshalb gut mit anderen Saaten kombinieren.
Sind Spitzwegerichsamen Flohsamen?
Nein.
Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Botanik.
Spitzwegerich heißt:
Plantago lanceolata
Die bekannten indischen Flohsamen beziehungsweise Flohsamenschalen stammen dagegen vor allem von:
Plantago ovata
Beide gehören zur Gattung Plantago, sind aber unterschiedliche Pflanzenarten.
Spitzwegerichsamen enthalten ebenfalls quellfähige Schleimstoffe. Trotzdem sind selbst gesammelte Spitzwegerichsamen nicht einfach mit handelsüblichen, entsprechend verarbeiteten Flohsamenschalen gleichzusetzen.
Sie sollten deshalb auch nicht nach Dosierungsempfehlungen für Flohsamenschalen verwendet werden.
Spitzwegerich als heimisches „Superfood“?
Das Wort Superfood wird heute für die unterschiedlichsten Lebensmittel verwendet und ist keine wissenschaftlich definierte Lebensmittelgruppe.
Trotzdem finde ich den Gedanken dahinter bei unseren heimischen Wildpflanzen spannend.
Wir kaufen Chiasamen, exotische Pulver und Saatenmischungen – während auf unseren Wiesen Pflanzen wachsen, deren Blätter, Blütenstände oder Samen ebenfalls essbar sind.
Spitzwegerich muss deshalb kein neues „Wundermittel“ werden.
Viel interessanter finde ich:
Wir lernen wieder, was direkt vor unserer Haustür wächst.
Spitzwegerich-Wildkräutersalz
Spitzwegerich lässt sich auch wunderbar mit unserem Kräutersalz-Thema verbinden.
Junge Blätter können gesammelt, sorgfältig getrocknet und anschließend mit anderen geeigneten Wildkräutern und Meersalz kombiniert werden.
So kann beispielsweise eine Mischung aus verschiedenen heimischen Kräutern entstehen.
Wichtig ist auch hier, dass alle Pflanzenteile vor der längeren Lagerung vollständig trocken sind.
Wildkräuterpesto mit Spitzwegerich
Auch in einem Wildkräuterpesto kann Spitzwegerich eine Zutat sein.
Gerade wegen seines kräftigeren Geschmacks würde ich ihn zunächst mit anderen bekannten essbaren Kräutern kombinieren, anstatt ein komplettes Pesto ausschließlich aus Spitzwegerich herzustellen.
So kann man sich langsam an seinen Geschmack herantasten und seine persönliche Lieblingsmischung finden.
Muss Spitzwegerich vor dem Essen gewaschen werden?
Selbst gesammelte Wildpflanzen sollten sorgfältig verlesen werden.
Ob Waschen sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wo und wie gesammelt wurde und wie die Pflanze anschließend verwendet wird.
Für rohe Gerichte würde ich die gesammelten Pflanzenteile gründlich kontrollieren und bei Bedarf unter sauberem Wasser abspülen.
Anschließend gut trocknen beziehungsweise abtropfen lassen.
Beschädigte, verschmutzte oder auffällige Pflanzenteile werden aussortiert.
Wildpflanzen langsam kennenlernen
Nur weil eine Pflanze essbar ist, bedeutet das nicht, dass man beim ersten Versuch gleich eine große Portion davon essen sollte.
Gerade wenn du Wildkräuter noch nicht gewohnt bist, probiere zunächst eine kleine Menge.
Das hat außerdem einen schönen Nebeneffekt:
Du lernst den eigentlichen Geschmack der Pflanze kennen.
Erst danach würde ich anfangen, verschiedene Kräuter miteinander zu mischen.
Eine Pflanze durch die Jahreszeiten essen
Genau das finde ich beim Spitzwegerich besonders faszinierend.
Im Frühjahr erscheinen die jungen Blätter.
Später kommen die ungewöhnlich schmeckenden jungen Blütenstände.
Und wenn die Blüte längst vorbei ist, warten noch die Samen.
Man muss dafür nichts Besonderes kaufen.
Man muss lediglich lernen, die Pflanze sicher zu erkennen, einen geeigneten Sammelplatz zu finden und zu wissen, welcher Pflanzenteil zu welcher Zeit interessant ist.
Und plötzlich ist Spitzwegerich nicht mehr nur das unscheinbare Kraut am Wegesrand.
Er wird zu einer Wildpflanze, die uns vom Frühjahr bis zur Samenreife immer wieder etwas Neues entdecken lässt.
Manchmal beginnt Naturküche nicht mit einem Rezept – sondern damit, auf der nächsten Wiese genauer hinzusehen.






















