Löwenzahn – erkennen, sammeln & verwenden: Blätter, Blüten und Wurzeln richtig nutzen
Gelbe Blüten auf der Wiese, später die bekannte Pusteblume – Löwenzahn kennt wahrscheinlich fast jeder.
Für die einen ist er ein lästiges „Unkraut“, das zwischen Pflastersteinen und mitten im Rasen auftaucht.
Für die anderen ist er eine der spannendsten heimischen Wildpflanzen überhaupt.
Denn beim Löwenzahn können verschiedene Pflanzenteile verwendet werden: junge Blätter, Blüten und sogar die Wurzel.
Doch spätestens beim Pflücken tauchen Fragen auf:
Ist der weiße Milchsaft giftig? Kann man die Stängel essen? Wann sammelt man Löwenzahnblätter? Und kann man Löwenzahn mit anderen Pflanzen verwechseln?
Schauen wir uns die Pflanze deshalb einmal von der Wurzel bis zur Blüte an.
Löwenzahn im Überblick
Botanischer Name: Taraxacum officinale (Artengruppe)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Wuchs: mehrjährige krautige Pflanze
Typisch: Blattrosette, gelbe Blütenköpfe, hohle Blütenstiele und weißer Milchsaft
Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Blüten und Wurzeln
Standorte: Wiesen, Wegränder, Gärten, Rasenflächen und viele weitere nährstoffreiche Standorte
Unter dem Namen Löwenzahn werden botanisch zahlreiche sehr ähnliche Kleinarten zusammengefasst. Im Alltag begegnet uns dafür meistens schlicht der Name Gewöhnlicher Löwenzahn.
Woran erkenne ich Löwenzahn?
Besonders auffällig sind natürlich die leuchtend gelben Blüten.
Doch zur sicheren Bestimmung sollte man nicht nur auf die Farbe schauen.
Die länglichen Blätter wachsen in einer bodennahen Rosette und sind typischerweise unterschiedlich stark gezähnt beziehungsweise gelappt.
Aus der Mitte der Rosette wachsen einzelne hohle, blattlose Blütenstiele.
Bricht man einen Stiel oder ein Blatt ab, tritt weißer Milchsaft aus.
Nach der Blüte entsteht schließlich die bekannte kugelige Pusteblume mit zahlreichen kleinen Flugschirmchen.
Unter der Erde sitzt eine kräftige Pfahlwurzel, die tief in den Boden reichen kann.
Trotzdem gilt auch beim vermeintlich unverwechselbaren Löwenzahn:
Wildpflanzen nur verwenden, wenn du sie sicher bestimmt hast.
Kann man Löwenzahn essen?
Ja.
Löwenzahn wird als Wildgemüse und Küchenkraut genutzt. Dabei können unterschiedliche Pflanzenteile verwendet werden.
Besonders bekannt sind die jungen Blätter.
Aber auch die gelben Blüten und die Wurzeln haben ihren Platz in der Wildkräuterküche.
Dabei schmecken die einzelnen Pflanzenteile sehr unterschiedlich.
Löwenzahn ist kein neutraler Blattsalat – sein charakteristischer bitterer Geschmack gehört zu ihm.
Sind Löwenzahnblätter essbar?
Ja.
Vor allem junge Löwenzahnblätter werden gerne für Salate und Wildkräutermischungen gesammelt.
Junge Blätter schmecken meist milder. Mit zunehmendem Alter können sie deutlich bitterer werden.
Du kannst sie beispielsweise verwenden für:
- Wildkräutersalat
- Kräuterquark
- Pesto
- Suppen
- herzhafte Kräutermischungen
- grüne Smoothies in kleinen Mengen
Gerade wenn du bisher kaum Wildkräuter gegessen hast, lohnt es sich, Löwenzahn zunächst mit bekannten Salaten oder Kräutern zu kombinieren.
Kann man Löwenzahnblüten essen?
Auch die gelben Blüten können kulinarisch verwendet werden.
Sie eignen sich beispielsweise für:
- essbare Blütendekoration
- Blütenzucker
- Gelee
- Sirup
- Kräuter- und Blütenmischungen
Sehr bekannt ist außerdem der sogenannte Löwenzahnhonig.
Dabei handelt es sich allerdings nicht um echten Bienenhonig, sondern normalerweise um einen eingekochten pflanzlichen Sirup aus Löwenzahnblüten und Zucker.
Das wäre übrigens ein wunderbares eigenes Rezept für Grüne Seele – Naturwissen.
Ist der weiße Milchsaft vom Löwenzahn giftig?
Hier hält sich ein hartnäckiger Mythos.
Viele von uns haben wahrscheinlich als Kinder gehört:
„Fass den weißen Saft nicht an – der ist giftig!“
So einfach ist es nicht.
Der weiße Milchsaft ist ein natürlicher Bestandteil der Pflanze und kommt unter anderem in Blättern und Stängeln vor.
Löwenzahn gilt nicht deshalb grundsätzlich als Giftpflanze.
Trotzdem sollte man daraus nicht schließen, dass große Mengen Milchsaft oder Pflanzenteile bedenkenlos gegessen werden sollten. Löwenzahn enthält verschiedene Bitter- und Pflanzenstoffe, und größere Mengen können insbesondere bei empfindlichen Menschen Beschwerden verursachen.
Außerdem kann der Milchsaft bei Hautkontakt empfindliche Haut reizen.
Die vernünftige Regel lautet deshalb:
Löwenzahn als Lebensmittel in üblichen Mengen verwenden – nicht literweise Milchsaft sammeln und trinken.
Kann man die Stängel essen?
Die hohlen Blütenstiele enthalten besonders deutlich Milchsaft.
Sie stehen kulinarisch wesentlich weniger im Mittelpunkt als junge Blätter, Blüten und Wurzeln.
Nur weil verschiedene Teile einer Pflanze grundsätzlich verwendet werden können, bedeutet das außerdem nicht, dass jeder Pflanzenteil in beliebiger Menge gegessen werden sollte.
Für unsere Küche konzentrieren wir uns deshalb auf die Teile, für die es viele etablierte kulinarische Anwendungen gibt:
Blätter, Blüten und Wurzeln.
Wann sammelt man Löwenzahn?
Das hängt davon ab, welchen Teil der Pflanze du verwenden möchtest.
Junge Blätter
Die jungen Blätter sind besonders im Frühjahr interessant, bevor sie sehr groß und kräftig bitter werden.
Blüten
Die gelben Blüten sammelst du während der Blütezeit, wenn sie frisch geöffnet und trocken sind.
Wurzeln
Traditionell werden Wurzeln häufig im Frühjahr oder Herbst gesammelt.
Damit zeigt Löwenzahn sehr schön, dass eine Pflanze je nach Jahreszeit ganz unterschiedliche Möglichkeiten bietet.
Wo sollte man Löwenzahn sammeln?
Bitte nicht einfach am nächsten Straßenrand.
Löwenzahn wächst nahezu überall – und genau das kann zum Problem werden.
Meide beispielsweise:
- stark befahrene Straßen
- intensiv gedüngte oder gespritzte Flächen
- stark frequentierte Hundewiesen
- offensichtlich verschmutzte Standorte
Ideal sind unbelastete Flächen, bei denen du möglichst genau weißt, wie sie genutzt werden.
Der eigene unbehandelte Garten ist natürlich besonders praktisch.
Dann wird aus dem vermeintlichen „Unkraut“ plötzlich etwas ganz anderes.
Was kann man aus Löwenzahn machen?
Jetzt wird es richtig spannend.
Aus einer einzigen Pflanze entstehen erstaunlich viele Möglichkeiten.
Aus den Blättern
Junge Blätter eignen sich beispielsweise für Salat, Pesto, Kräuterquark oder andere Wildkräutergerichte.
Aus den Blüten
Aus den gelben Blüten lassen sich unter anderem Sirup, Gelee oder dekorative Blütenprodukte herstellen.
Aus den Wurzeln
Löwenzahnwurzeln wurden traditionell auf unterschiedliche Weise verarbeitet. Geröstete Wurzeln wurden beispielsweise auch als kaffeeähnliches Getränk beziehungsweise Kaffeeersatz verwendet.
Und damit haben wir schon mehrere Themen, die später ihren eigenen Beitrag bekommen können.
Kann man Löwenzahn trocknen?
Ja, verschiedene Pflanzenteile können für geeignete Anwendungen getrocknet werden.
Dabei ist entscheidend, dass das Pflanzenmaterial sauber und gesund ist und anschließend vollständig durchtrocknet.
Blätter sollten locker und dünn ausgebreitet beziehungsweise entsprechend luftig getrocknet werden.
Wurzeln müssen vor der Lagerung besonders sorgfältig gereinigt, zerkleinert und vollständig getrocknet werden.
Feuchtigkeit im Vorratsgefäß kann Schimmelbildung begünstigen.
Beschrifte deine Vorräte immer mit Pflanzenname und Datum.
Kann man Löwenzahn verwechseln?
Ja – und genau deshalb sollte man auch eine scheinbar bekannte Pflanze richtig bestimmen lernen.
Es gibt verschiedene gelb blühende Korbblütler, die auf den ersten Blick löwenzahnähnlich aussehen können.
Zur Bestimmung solltest du deshalb mehrere Merkmale gemeinsam betrachten:
- bodennahe Blattrosette
- gezähnte beziehungsweise gelappte Blätter
- einzelne hohle und blattlose Blütenstiele
- gelbes Blütenköpfchen
- weißer Milchsaft
- typische Pusteblume nach der Blüte
Ein einziges Merkmal reicht zur sicheren Pflanzenbestimmung grundsätzlich nicht aus.
Löwenzahn im traditionellen Pflanzenwissen
Löwenzahn besitzt eine lange Tradition als Nutz- und Heilpflanze.
Besonders interessant sind dabei die Wurzel und die Blätter.
Auch heute werden bestimmte Löwenzahnzubereitungen in der traditionellen Pflanzenmedizin verwendet.
Wichtig ist allerdings die gleiche Unterscheidung wie bei unseren anderen Pflanzenporträts:
Traditionelle Anwendung ist nicht automatisch dasselbe wie eine wissenschaftlich nachgewiesene medizinische Wirkung.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur beschreibt für Löwenzahnwurzel mit Kraut bestimmte traditionelle pflanzliche Anwendungen. Diese Einstufung basiert auf langjähriger Verwendung.
Für unseren Alltag bedeutet das:
Wir dürfen altes Pflanzenwissen kennenlernen und bewahren – sollten daraus aber keine unbelegten Heilversprechen machen.
Wann sollte man mit Löwenzahn vorsichtig sein?
Eine kleine Menge junger Löwenzahnblätter im Salat ist nicht dasselbe wie ein konzentriertes pflanzliches Arzneimittel.
Bei medizinischen beziehungsweise konzentrierten Anwendungen können Gegenanzeigen und Wechselwirkungen relevant sein.
Besondere Vorsicht ist unter anderem bei bestimmten Erkrankungen der Gallenwege beziehungsweise Gallenblase angebracht.
Wer Medikamente einnimmt, schwanger ist, stillt oder Löwenzahn gezielt wegen gesundheitlicher Beschwerden einsetzen möchte, sollte deshalb fachlichen medizinischen oder pharmazeutischen Rat einholen.
Warum ist Löwenzahn eigentlich so bitter?
Der bittere Geschmack gehört zu den charakteristischen Eigenschaften der Pflanze.
Gerade ältere Blätter schmecken häufig wesentlich kräftiger als sehr junge.
Wenn dir Löwenzahn pur zu bitter ist, musst du ihn deshalb nicht gleich vom Speiseplan streichen.
Mische zunächst nur einige junge Blätter unter normalen Blattsalat.
So lernst du den Geschmack langsam kennen.
Denn Wildkräuterküche muss kein Wettbewerb darin sein, wer die bitterste Wiese essen kann. 😉
Häufige Fragen über Löwenzahn
Ist Löwenzahn giftig?
Löwenzahn wird als essbare Wildpflanze genutzt. Wie bei anderen Lebensmitteln und Wildpflanzen sind Art, Pflanzenteil und Menge entscheidend. Verwende ausschließlich sicher bestimmte Pflanzen.
Ist der weiße Milchsaft giftig?
Der weiße Milchsaft macht Löwenzahn nicht grundsätzlich zu einer Giftpflanze. Er kann jedoch bei empfindlichen Personen Hautreizungen verursachen, und größere Mengen der Pflanze können Beschwerden auslösen.
Welche Teile des Löwenzahns kann ich verwenden?
Kulinarisch werden vor allem junge Blätter, Blüten und Wurzeln genutzt.
Kann man Löwenzahn roh essen?
Junge Blätter können roh beispielsweise in Salaten oder Wildkräutermischungen verwendet werden.
Kann ich Löwenzahn aus meinem Garten essen?
Wenn du die Pflanze sicher bestimmt hast und weißt, dass die Fläche nicht mit ungeeigneten Pflanzenschutzmitteln oder anderen problematischen Stoffen behandelt beziehungsweise verunreinigt wurde, kannst du Löwenzahn aus dem eigenen Garten kulinarisch nutzen.
Warum schmeckt Löwenzahn bitter?
Löwenzahn enthält natürliche Bitterstoffe. Besonders ältere Blätter können deutlich bitterer schmecken als junge Blätter.
Vom „Unkraut“ zum Wildkraut
Vielleicht ist genau das das Spannende am Löwenzahn.
Wir müssen ihn nicht irgendwo kaufen.
Wir müssen ihn nicht mühsam aussäen.
Und wir müssen auch nicht weit in den Wald fahren.
Er wächst auf Wiesen, in Gärten und manchmal genau dort, wo wir ihn eigentlich gar nicht haben wollten.
Doch sobald wir wissen, was vor uns wächst, verändert sich der Blick.
Aus einem störenden gelben Fleck im Rasen werden essbare junge Blätter.
Aus den Blüten kann ein Rezept entstehen.
Und unter der Erde steckt eine Wurzel mit einer langen Geschichte in Küche und traditioneller Pflanzenkunde.
Vielleicht ist Löwenzahn deshalb eines der besten Beispiele dafür, worum es bei GrueneSeele – Naturwissen geht:
Hinschauen. Erkennen. Wissen, was vor unserer Haustür wächst – und lernen, was wir damit machen können.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information über Pflanzen, Lebensmittel und traditionelle Pflanzenverwendung und ersetzt keine medizinische Beratung. Wildpflanzen nur verwenden, wenn sie eindeutig bestimmt wurden. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zur medizinischen Anwendung bitte fachlichen Rat einholen.
