Esskastanien & Maronen sammeln und verwenden – Herbstgenuss aus der Natur

Esskastanien & Maronen sammeln und verwenden – Herbstgenuss aus der Natur

Wenn im Herbst die ersten stacheligen Fruchthüllen unter den Bäumen liegen, beginnt die Zeit der Esskastanien. Für mich gehören Kastanien einfach zum Herbst: raschelndes Laub, kühlere Luft und überall kleine Naturschätze, die man beim Spaziergang entdecken kann.

Doch Kastanie ist nicht gleich Kastanie. Während viele von uns vor allem die glänzend braunen Rosskastanien aus Parks und Alleen kennen, ist die Esskastanie (Castanea sativa) tatsächlich für die Küche geeignet.

Und genau hier lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen.

Esskastanie, Marone oder Kastanie – was ist eigentlich was?

Die Begriffe werden häufig durcheinander verwendet.

Die Esskastanie, auch Edelkastanie genannt, gehört zur Familie der Buchengewächse. Ihre Früchte sind essbar und werden schon seit sehr langer Zeit als Lebensmittel genutzt.

Maronen sind keine völlig andere Baumart. Vereinfacht gesagt handelt es sich um besonders ausgewählte beziehungsweise kultivierte Sorten der Esskastanie, deren Früchte meist größer sind und sich gut verarbeiten lassen.

Maronen sind Esskastanien – genauer gesagt besonders gezüchtete Sorten der Edelkastanie. Im Alltag werden die Begriffe Esskastanie und Marone deshalb häufig synonym verwendet.

Die Rosskastanie dagegen ist botanisch nicht näher mit der Esskastanie verwandt und gehört nicht auf den Teller.

Das ist beim Sammeln besonders wichtig.

Esskastanie erkennen

Hat man beide einmal bewusst miteinander verglichen, sind die Unterschiede ziemlich auffällig.

Die Fruchthülle der Esskastanie

Das wohl auffälligste Merkmal ist ihre Hülle.

Esskastanien sitzen in einer dicht mit unzähligen langen, dünnen und sehr spitzen Stacheln besetzten Fruchthülle. Sie erinnert fast an einen kleinen grünen Igel.

Im Herbst springt diese Hülle auf und gibt meist mehrere braune Früchte frei.

Und Vorsicht beim Aufheben: Die feinen Stacheln können ordentlich pieksen.

Die Früchte

Esskastanien sind glänzend braun und besitzen an ihrer Spitze häufig einen kleinen, etwas helleren „Zipfel“.

Da mehrere Früchte gemeinsam in einer Hülle sitzen können, sind sie außerdem häufig nicht vollkommen rund. Manche haben eine deutlich abgeflachte Seite.

Die Blätter

Auch die Blätter helfen bei der Bestimmung.

Die Blätter der Esskastanie sind:

  • länglich
  • relativ schmal
  • am Rand deutlich gezähnt
  • einzeln am Zweig angeordnet

Gerade die langen, gezähnten Blätter unterscheiden sich deutlich von denen der Rosskastanie.

Esskastanie und Rosskastanie unterscheiden

Hier sollte man wirklich genau hinschauen.

Die Rosskastanie besitzt die typischen großen, handförmig zusammengesetzten Blätter. Meist gehen fünf bis sieben einzelne Blättchen von einem gemeinsamen Punkt aus.

Auch ihre Fruchthülle sieht anders aus. Sie ist grün und besitzt deutlich weniger und kräftigere Stacheln.

Die Hülle der Esskastanie dagegen ist über und über mit feinen, langen Stacheln bedeckt.

Kurz gesagt:

Esskastanie: sehr viele feine Stacheln, längliche gezähnte Blätter, häufig mehrere Früchte in einer Hülle.

Rosskastanie: wenige gröbere Stacheln, handförmig zusammengesetzte Blätter und meist eine große runde Kastanie.

⚠️ Wichtig: Rosskastanien sind nicht zum Verzehr geeignet. Sammle Wildpflanzen und Wildfrüchte für die Küche grundsätzlich nur dann, wenn du sie zweifelsfrei bestimmen kannst.

Wann kann man Esskastanien sammeln?

Die Erntezeit beginnt je nach Standort, Sorte und Witterung ungefähr ab September und reicht bis in den Oktober beziehungsweise November hinein.

Ein gutes Zeichen ist, wenn die reifen Früchte von selbst zu Boden fallen und sich die stacheligen Hüllen öffnen.

Man muss die Kastanien also nicht vom Baum pflücken.

Am schönsten finde ich ohnehin das Sammeln vom Boden. Gerade nach einem windigen Herbsttag lohnt sich ein Blick unter die Bäume.

Welche Esskastanien sollte man sammeln?

Für die Küche nehme nur Früchte mit, die fest und unbeschädigt aussehen.

Liegen Kastanien bereits längere Zeit feucht auf dem Boden, können sie verderben. Auch Früchte mit sichtbarem Schimmel, ungewöhnlich weichen Stellen oder deutlichen Fraßschäden gehören nicht mehr in die Küche.

Ein kleines Loch kann außerdem darauf hindeuten, dass bereits ein tierischer Bewohner schneller war.

Zu Hause sortiert man die gesammelten Kastanien deshalb am besten noch einmal gründlich aus.

Darf man Esskastanien einfach überall sammeln?

Nicht automatisch.

Nur weil Früchte auf dem Boden liegen, bedeutet das nicht, dass man sie überall mitnehmen darf. Auf Privatgrundstücken gehören sie dem Eigentümer, und auch in Schutzgebieten können besondere Regeln gelten.

Wer sammeln möchte, sollte deshalb vorher darauf achten, wo der Baum steht und welche örtlichen Bestimmungen gelten.

Für mich gehört zum Sammeln in der Natur außerdem immer dazu, nur so viel mitzunehmen, wie ich tatsächlich verwenden kann.

Esskastanien zu Hause vorbereiten

Nach dem Sammeln werden die Kastanien zunächst kontrolliert und von Schmutz befreit.

Anders als Walnüsse sind frische Esskastanien nicht dafür gedacht, monatelang einfach in einer Schale herumzuliegen. Sie enthalten vergleichsweise viel Feuchtigkeit und können deshalb schneller verderben.

Am besten werden sie zeitnah verarbeitet.

Und dann kommt der schönste Teil: geröstete Maronen.

Esskastanien im Backofen rösten

Der Klassiker ist erstaunlich einfach.

Du brauchst

  • frische Esskastanien oder Maronen
  • ein scharfes Messer
  • ein Backblech

So geht’s

Den Backofen auf etwa 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

Die Kastanien auf der gewölbten Seite mit einem scharfen Messer kreuzweise einschneiden. Dabei sollte die Schale durchtrennt werden.

Das Einschneiden ist wichtig, damit der entstehende Dampf beim Rösten entweichen kann.

Anschließend kommen die Kastanien auf ein Backblech.

Je nach Größe benötigen sie ungefähr 20 bis 30 Minuten. Während des Röstens öffnet sich die eingeschnittene Schale immer weiter.

Am besten lassen sie sich schälen, solange sie noch warm sind.

Unter der festen braunen Außenschale befindet sich noch eine dünne Haut. Auch diese wird entfernt.

Und dann darf direkt probiert werden.

Warm aus dem Ofen schmecken Maronen für mich einfach nach Herbst.

Was kann man aus Esskastanien machen?

Geröstete Maronen sind nur eine Möglichkeit.

Esskastanien lassen sich sowohl für herzhafte als auch für süße Gerichte verwenden.

Zum Beispiel für:

  • Maronensuppe
  • Maronenpüree
  • herbstliche Gemüsegerichte
  • Füllungen
  • Brot und Gebäck
  • Kuchen und Desserts
  • süße Maronencreme
  • geröstete Maronen als Snack

Damit bekommen wir übrigens direkt mehrere schöne Ideen für weitere Herbstrezepte auf Grüne Seele.

Esskastanien aufbewahren

Frische Esskastanien sind wesentlich empfindlicher als viele klassische Nüsse.

Sie sollten kühl gelagert und regelmäßig kontrolliert werden. Sobald eine Frucht schimmelt oder auffällig weich wird, sollte sie aussortiert werden.

Wer größere Mengen gesammelt oder gekauft hat, kann die Kastanien auch zunächst garen und anschließend portionsweise einfrieren.

So lässt sich der Herbstvorrat später noch für Suppen, Pürees oder andere Rezepte verwenden.

Ein kleiner Herbstschatz

Ich mag Lebensmittel, bei denen man noch erkennt, woher sie kommen.

Esskastanien sind dafür ein wunderschönes Beispiel.

Man entdeckt den Baum, sammelt die Früchte, nimmt sie mit nach Hause und wenige Zeit später duftet die Küche nach frisch gerösteten Maronen.

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum ich den Herbst so mag. Er bringt so viele kleine Dinge hervor, an denen wir im Alltag oft einfach vorbeigehen.

Walnüsse, Esskastanien, Wildäpfel, Zapfen, Kräuter und später die ersten Räuchermischungen für die dunklere Jahreszeit – draußen gibt es gerade unglaublich viel zu entdecken.

Und manchmal beginnt ein gemütlicher Herbstabend tatsächlich nur mit einer Handvoll stacheliger kleiner „Igel“ unter einem Baum.


Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information über Esskastanien und ersetzt keine fachkundige Pflanzenbestimmung. Wild gesammelte Pflanzen und Früchte sollten nur verwendet werden, wenn sie zweifelsfrei bestimmt wurden. Bei Unsicherheit bitte nicht verzehren.

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