Rosmarin – erkennen, ernten & verwenden: Das mediterrane Kraut im Porträt

Rosmarin – erkennen, ernten & verwenden: Das mediterrane Kraut im Porträt

Wer einmal mit der Hand über einen Rosmarinzweig gestrichen hat, erkennt diesen Duft wahrscheinlich sofort wieder. Würzig, harzig, ein wenig herb – und irgendwie erinnert er direkt an Sonne, mediterrane Küche und warme Sommertage.

Doch Rosmarin kann viel mehr, als Kartoffeln oder OfengemĂĽse zu wĂĽrzen.

Die immergrüne Pflanze lässt sich frisch verwenden, trocknen und für zahlreiche selbstgemachte Kräuterprodukte nutzen. Gleichzeitig gehört Rosmarin zu den Pflanzen, die schon seit langer Zeit einen festen Platz im traditionellen Pflanzenwissen haben.

Aber wann erntet man Rosmarin eigentlich? Darf man ihn noch verwenden, wenn er blüht? Kann man die Blüten essen? Und was macht man mit einem Rosmarinstrauch, der plötzlich so groß geworden ist, dass man gar nicht mehr weiß, wohin mit all den Zweigen?

Genau darum geht es in diesem Pflanzenporträt.

Rosmarin im Ăśberblick

Botanischer Name: Salvia rosmarinus
FrĂĽherer botanischer Name: Rosmarinus officinalis
Familie: LippenblĂĽtler (Lamiaceae)
Wuchs: immergrĂĽner, verholzender Strauch
Herkunft: Mittelmeerraum
Verwendete Pflanzenteile: vor allem Blätter beziehungsweise junge Triebe, in der Küche auch die Blüten
Duft: kräftig aromatisch, würzig und harzig

Vielleicht begegnet dir in Büchern und älteren Kräutertexten noch der Name Rosmarinus officinalis. Das ist kein anderer Rosmarin. Die botanische Einordnung wurde verändert; heute wird die Art als Salvia rosmarinus der Gattung Salvia zugeordnet.

Woran erkennt man Rosmarin?

Rosmarin ist eigentlich kaum zu übersehen – und spätestens sein Duft verrät ihn.

Die Pflanze bildet zahlreiche verholzende Triebe und trägt schmale, feste, fast nadelartig wirkende Blätter. Sie sind auf der Oberseite dunkelgrün und auf der Unterseite deutlich heller beziehungsweise leicht filzig.

Je nach Sorte erscheinen kleine Blüten, meist in Blau- bis Violetttönen. Es gibt aber auch weiß oder rosa blühende Sorten.

Und dann ist da natĂĽrlich der Duft.

Reibt man vorsichtig ein Blatt zwischen den Fingern, wird das typische intensive Rosmarinaroma frei.

Achtung beim Bestimmen

Auch wenn Rosmarin als Küchenpflanze sehr bekannt ist: Verwende Pflanzen grundsätzlich nur dann, wenn du sie sicher bestimmen kannst.

Bei gekauften Zierpflanzen solltest du außerdem darauf achten, ob sie ausdrücklich für die Verwendung als Lebensmittel geeignet sind. Pflanzen aus dem Zierpflanzenhandel können mit Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sein.

Kann man Rosmarin das ganze Jahr ernten?

Grundsätzlich ja.

Rosmarin ist immergrün und kann deshalb auch außerhalb des Sommers beerntet werden. Besonders aromatisch und zart ist jedoch der junge Austrieb im späten Frühjahr und Sommer.

Wenn du nur etwas Rosmarin zum Kochen brauchst, schneidest du einfach einzelne junge Triebspitzen ab.

Möchtest du dagegen einen größeren Vorrat trocknen, bietet sich ein trockener Sommertag an.

Dabei hat regelmäßiges Ernten sogar einen schönen Nebeneffekt: Schneidest du die jungen Triebe vernünftig zurück, bleibt der Strauch eher kompakt und verzweigt.

Kann man Rosmarin noch ernten, wenn er blĂĽht?

Ja.

Die Blüte bedeutet nicht, dass Rosmarin plötzlich unbrauchbar wird.

Du kannst die Blätter weiterhin in der Küche verwenden – und sogar die Rosmarinblüten selbst sind essbar. Ihr Geschmack erinnert an die Blätter, ist aber meist etwas milder. Sie können beispielsweise Salate, Tomatengerichte oder Kräuterbutter ergänzen.

Gerade die kleinen blauen bis violetten Blüten sehen auf einem sommerlichen Gericht wunderschön aus.

Und noch etwas spricht dafür, nicht sämtliche Blüten abzuernten: Blühender Rosmarin ist auch für bestäubende Insekten interessant.

Rosmarin richtig ernten

Am einfachsten schneidest du ganze junge Triebspitzen mit einer sauberen Schere ab.

Wenn du Rosmarin trocknen möchtest, wähle möglichst gesundes Pflanzenmaterial und einen trockenen Tag.

Vermeide stark beschädigte, kranke oder verschmutzte Pflanzenteile.

Und vor allem:

Schneide nicht wahllos tief in altes, kahles Holz zurĂĽck.

Beim normalen Ernten reichen die jungen beziehungsweise belaubten Triebe vollkommen aus.

Frischer oder getrockneter Rosmarin?

Beides hat seinen Platz.

Frischer Rosmarin besitzt ein kräftiges, frisches Aroma und eignet sich wunderbar für die direkte Verwendung in der Küche.

Zum Beispiel fĂĽr:

  • Ofenkartoffeln und GemĂĽse
  • Brot und Focaccia
  • Tomatengerichte
  • Marinaden
  • Kräuterbutter
  • mediterrane Gerichte
  • aromatisiertes Salz

Getrockneter Rosmarin ist dagegen praktisch, wenn du dir einen Vorrat für Herbst und Winter anlegen möchtest.

Da getrocknete Kräuter geschmacklich konzentriert wirken können, lohnt es sich beim Würzen zunächst etwas sparsamer zu dosieren und anschließend abzuschmecken.

Rosmarin richtig trocknen

Rosmarin gehört zu den Kräutern, die sich unkompliziert an der Luft trocknen lassen.

Schneide gesunde Zweige ab und kontrolliere sie auf kleine Insekten oder beschädigte Stellen.

Anschließend kannst du mehrere Zweige locker zusammenbinden und kopfüber an einem warmen, trockenen und gut belüfteten Ort aufhängen.

Direkte starke Sonneneinstrahlung solltest du vermeiden.

Sind die Blätter vollständig trocken, lassen sie sich von den Zweigen streifen und in einem gut verschließbaren Gefäß aufbewahren. Die Royal Horticultural Society empfiehlt für Rosmarin ebenfalls einen warmen, dunklen und gut belüfteten Platz zum Trocknen.

Wichtig: Erst einfĂĽllen, wenn wirklich keine Restfeuchtigkeit mehr vorhanden ist. Feuchtigkeit im Vorratsglas kann Schimmel begĂĽnstigen.

Was kann man aus Rosmarin machen?

Und jetzt wird es interessant, denn genau hier zeigt sich, warum sich ein groĂźer Rosmarinstrauch im Garten oder auf dem Balkon wirklich lohnt.

Aus Rosmarin kannst du beispielsweise:

  • Kräutersalz herstellen
  • die Zweige trocknen
  • Kräuterbutter wĂĽrzen
  • Brot und Focaccia verfeinern
  • Rosmarin in mediterranen Gerichten verwenden
  • einen kosmetischen Kräuterölauszug herstellen
  • ihn fĂĽr ausgewählte DIY-Naturkosmetik verwenden
  • die essbaren BlĂĽten als Garnitur nutzen

Einige dieser Anwendungen bekommen hier auf Grüne Seele – Naturwissen noch ihren eigenen ausführlichen Beitrag.

So musst du nicht zehn verschiedene Dinge gleichzeitig ausprobieren, sondern kannst dir genau die Verwendung aussuchen, die zu dir passt.

Rosmarinöl – hier müssen wir unterscheiden

Wenn von „Rosmarinöl“ gesprochen wird, können damit völlig unterschiedliche Produkte gemeint sein.

Ein Kräuterölauszug beziehungsweise Mazerat entsteht, indem Pflanzenmaterial über einen bestimmten Zeitraum in einem geeigneten Pflanzenöl ausgezogen wird.

Ätherisches Rosmarinöl dagegen wird normalerweise durch Destillation gewonnen und ist hochkonzentriert.

Das ist nicht dasselbe.

Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wenn Rosmarin für selbstgemachte Körperpflege oder andere DIY-Produkte verwendet werden soll.

FĂĽr einen selbstgemachten kosmetischen Rosmarin-Ă–lauszug werden wir deshalb einen eigenen Beitrag anlegen.

Rosmarin im Garten

Rosmarin liebt Bedingungen, die an seine mediterrane Herkunft erinnern.

Ein sonniger Standort und ein gut durchlässiger Boden sind ideal. Dauerhaft nasse Erde bekommt ihm deutlich schlechter als zeitweise Trockenheit. Auch im Topf sollte überschüssiges Wasser gut ablaufen können.

Das erklärt übrigens ein häufiges Rosmarinproblem:

Nicht jeder Rosmarin, der im Winter eingeht, ist tatsächlich erfroren. Gerade die Kombination aus Kälte und dauerhaft nasser Erde kann problematisch werden.

Muss Rosmarin im Winter ins Haus?

Das lässt sich nicht für jede Pflanze pauschal beantworten.

Wie gut Rosmarin Frost verträgt, hängt unter anderem von Sorte, Standort, Alter der Pflanze und den jeweiligen Winterbedingungen ab.

Ein geschützter, sonniger Standort und durchlässiger Boden verbessern die Voraussetzungen. Rosmarin im Kübel ist stärker gefährdet, weil der Wurzelballen wesentlich schneller durchfrieren kann als der Boden im Beet.

Deshalb lohnt es sich, beim Kauf auch auf die jeweilige Sorte und deren Winterhärte zu achten.

Warum wird Rosmarin unten holzig?

Weil Rosmarin kein weiches einjähriges Küchenkraut ist, sondern ein Strauch.

Mit zunehmendem Alter verholzen die Triebe ganz natĂĽrlich.

Wird die Pflanze über längere Zeit überhaupt nicht geschnitten, kann sie außerdem zunehmend locker wachsen und im unteren Bereich kahl werden. Ein regelmäßiger leichter Rückschnitt beziehungsweise das Ernten der Triebspitzen hilft dabei, einen kompakteren Wuchs zu fördern.

Ein riesiger alter Rosmarinstrauch sieht zwar beeindruckend aus – praktisch ist ein dicht verzweigter Strauch für die Ernte aber häufig angenehmer.

Rosmarin im traditionellen Pflanzenwissen

Rosmarin war ĂĽber lange Zeit nicht nur KĂĽchengewĂĽrz.

Die Pflanze wurde traditionell für verschiedene Anwendungen genutzt und findet sich bis heute in der europäischen Pflanzenheilkunde.

Dabei ist eine Unterscheidung wichtig:

„Traditionell verwendet“ bedeutet nicht automatisch „wissenschaftlich als wirksam bewiesen“.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt Zubereitungen aus Rosmarinblättern für bestimmte traditionelle medizinische Anwendungen. Die Einstufung beruht dabei ausdrücklich auf langjähriger Verwendung und nicht auf einem vollständigen klinischen Wirksamkeitsnachweis.

Genau deshalb möchte ich hier auf Grüne Seele altes Pflanzenwissen bewahren, ohne aus einer traditionellen Anwendung ein Heilversprechen zu machen.

Beides darf nebeneinander bestehen.

Ist Rosmarin immer harmlos?

Als gewöhnliches Küchenkraut wird Rosmarin anders verwendet als konzentrierte Pflanzenpräparate oder ätherisches Rosmarinöl.

Bei medizinisch verwendeten Rosmarinpräparaten gibt es Einschränkungen. Die EMA nennt unter anderem Schwangerschaft und Stillzeit, Kinder unter zwölf Jahren sowie bestimmte Erkrankungen der Gallenwege und Leber als Situationen, in denen entsprechende Rosmarin-Arzneimittel nicht beziehungsweise nicht ohne Weiteres angewendet werden sollten. Auch allergische Hautreaktionen sind möglich.

Das bedeutet nicht, dass ein Rosmarinzweig an den Ofenkartoffeln mit einem Arzneimittel gleichzusetzen wäre.

Es zeigt aber sehr schön, warum bei Kräutern Menge, Zubereitungsform und Anwendungsart einen Unterschied machen.

Ätherisches Rosmarinöl ist wiederum ein hochkonzentriertes Produkt und sollte nicht mit einem einfachen Kräuterauszug verwechselt werden.

Was mache ich mit zu viel Rosmarin?

Wenn dein Rosmarin irgendwann förmlich explodiert, musst du die abgeschnittenen Zweige nicht wegwerfen.

Trockne einen Teil für deinen Kräutervorrat.

Verarbeite einen anderen Teil zu Kräutersalz.

Nutze frische Zweige beim Kochen.

Und wenn immer noch etwas übrig ist, kannst du dich mit weiteren DIY-Ideen beschäftigen.

Genau das liebe ich an solchen Pflanzen: Aus einem einzigen Kraut entstehen plötzlich ganz unterschiedliche Möglichkeiten.

Häufige Fragen zu Rosmarin

Kann ich Rosmarin während der Blüte essen?

Ja. Die Blätter können weiterhin als Küchenkraut verwendet werden. Auch die Blüten von Küchenrosmarin sind essbar und schmecken etwas milder als die Blätter.

Kann ich Rosmarin im Herbst noch ernten?

Da Rosmarin immergrün ist, können grundsätzlich das ganze Jahr über kleinere Mengen geerntet werden. Besonders gut für die Küche eignet sich der junge Austrieb im späten Frühjahr und Sommer.

Muss ich Rosmarin vor dem Trocknen klein schneiden?

Nein. Ganze Zweige lassen sich sehr gut trocknen. Nach dem vollständigen Trocknen können die Blätter von den Zweigen abgestreift werden.

Warum riecht mein Rosmarin so stark?

In den Blättern befinden sich aromatische Inhaltsstoffe beziehungsweise ätherisches Öl. Beim Reiben oder Zerkleinern werden die Duftstoffe besonders deutlich wahrnehmbar.

Kann man RosmarinblĂĽten essen?

Ja – sofern es sich sicher um Küchenrosmarin handelt und die Pflanze nicht mit ungeeigneten Pflanzenschutzmitteln behandelt wurde. Die Blüten können beispielsweise als essbare Dekoration verwendet werden.

Ein Kraut, viele Möglichkeiten

Rosmarin ist für mich genau die Art von Pflanze, die zeigt, wie vielseitig ein kleiner Kräutergarten sein kann.

Ein Zweig wandert in die Küche. Ein Teil der Ernte wird für den Winter getrocknet. Aus einem anderen Teil entsteht vielleicht ein Kräutersalz oder später ein selbstgemachtes Pflegeprodukt.

Und gleichzeitig steckt hinter der Pflanze eine lange Geschichte traditionellen Pflanzenwissens.

Man muss deshalb gar nicht mit zwanzig verschiedenen Kräutern anfangen.

Manchmal reicht eine einzige Pflanze – und die Frage:

Was kann ich eigentlich alles damit machen?


Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information ĂĽber Pflanzen, traditionelle Verwendung und DIY-Anwendungen und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden, Erkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit, Medikamenteneinnahme oder Unsicherheiten bezĂĽglich einer Anwendung solltest du medizinischen oder pharmazeutischen Rat einholen.

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