Kräuter richtig trocknen – so bleiben Aroma, Farbe und Qualität erhalten
Frische Kräuter zu sammeln ist das eine – sie richtig zu trocknen, ist der nächste wichtige Schritt. Denn wenn Kräuter zu feucht eingelagert, in der prallen Sonne getrocknet oder zu früh in ein Glas gefüllt werden, können sie an Farbe und Aroma verlieren oder im schlimmsten Fall sogar schimmeln.
Dabei braucht es zum Kräutertrocknen keine komplizierte Ausrüstung. Ein luftiger, trockener und möglichst schattiger Platz reicht für viele Kräuter vollkommen aus.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Kräuter richtig trocknest, welche Methoden sich eignen und woran du erkennst, dass deine Kräuter wirklich trocken genug zum Aufbewahren sind.
Wann ist der beste Zeitpunkt, um Kräuter zu ernten?
Der richtige Erntezeitpunkt hängt immer ein wenig von der jeweiligen Pflanze und davon ab, welchen Pflanzenteil du verwenden möchtest.
Bei vielen Küchen- und Wildkräutern werden vor allem die Blätter und jungen Triebe gesammelt. Häufig bietet sich die Zeit vor oder zu Beginn der Blüte an, da sich Aroma und Inhaltsstoffzusammensetzung im Laufe der Pflanzenentwicklung verändern können.
Am besten erntest du an einem trockenen Tag, nachdem Tau oder Regen vollständig abgetrocknet sind.
Nasse Kräuter solltest du nicht direkt zum Trocknen aufhängen. Die zusätzliche Feuchtigkeit verlängert die Trocknungszeit und erhöht das Risiko, dass Pflanzenmaterial verdirbt.
Muss man Kräuter vor dem Trocknen waschen?
Das ist eine der häufigsten Fragen.
Saubere Kräuter, die du an einem unbelasteten Standort gesammelt hast, müssen nicht grundsätzlich unter fließendem Wasser gewaschen werden. Erde, kleine Pflanzenteile oder Insekten kannst du vorsichtig abschütteln beziehungsweise aussortieren.
Sind die Kräuter sichtbar verschmutzt, solltest du sie natürlich reinigen.
Wenn du sie mit Wasser wäschst, lasse sie anschließend zunächst sehr gründlich oberflächlich abtrocknen, bevor die eigentliche Trocknung beginnt.
Und wichtig beim Wildkräutersammeln: Sammle nicht unmittelbar an stark befahrenen Straßen, auf offensichtlich belasteten Flächen oder dort, wo du eine Verunreinigung vermuten musst.
Kräuter richtig trocknen – welche Methode ist die beste?
Es gibt nicht die eine Methode für alle Kräuter.
Welche sich eignet, hängt unter anderem davon ab, ob du Blätter, Blüten, Stängel oder andere Pflanzenteile trocknen möchtest.
Methode 1: Kräuter in Bündeln trocknen
Rosmarin, Thymian, Salbei und andere Kräuter mit stabileren Stängeln lassen sich gut zu kleinen, lockeren Bündelnzusammenfassen.
Binde dafür nur wenige Stängel zusammen und hänge sie kopfüber auf.
Wichtig ist, dass die Bündel nicht zu dick werden. Im Inneren eines großen Kräuterbündels kann die Feuchtigkeit wesentlich schlechter entweichen.
Der Platz sollte:
- trocken,
- luftig,
- möglichst dunkel oder schattig
- und nicht zu warm sein.
Direkte Sonne ist zum Trocknen vieler Kräuter nicht ideal.
Methode 2: Kräuter liegend trocknen
Zarte Blätter, einzelne Blüten und kleinere Pflanzenteile kannst du locker auf einem Trockengitter oder einer geeigneten luftdurchlässigen Unterlage verteilen.
Die Pflanzenteile sollten möglichst nicht dick übereinanderliegen.
Je mehr Luft an das Pflanzenmaterial gelangt, desto gleichmäßiger kann die enthaltene Feuchtigkeit entweichen.
Gerade bei empfindlichen Blüten finde ich diese Methode besonders praktisch, weil man zwischendurch sehr gut kontrollieren kann, wie weit die Trocknung bereits fortgeschritten ist.
Kräuter im Dörrautomaten trocknen
Ein Dörrautomat kann praktisch sein, wenn du größere Mengen verarbeiten möchtest oder deine Wohnung keinen geeigneten Trocknungsplatz bietet.
Dabei gilt:
Lieber schonend und bei niedriger Temperatur trocknen als möglichst schnell bei großer Hitze.
Viele Kräuter werden im Dörrautomaten ungefähr im Bereich von 35 bis 40 °C getrocknet. Die genaue Einstellung und Dauer hängen jedoch von Pflanze, Pflanzenteil, Feuchtigkeitsgehalt und Gerät ab.
Deshalb lohnt sich immer auch ein Blick in die Bedienungsanleitung deines Dörrautomaten.
Kann man Kräuter im Backofen trocknen?
Grundsätzlich ist das möglich – meine erste Wahl wäre es für empfindliche Kräuter allerdings nicht.
Viele Backöfen lassen sich bei sehr niedrigen Temperaturen nur ungenau regeln. Außerdem kann sich Feuchtigkeit im Ofen stauen.
Wenn du den Backofen verwendest, solltest du deshalb eine möglichst niedrige Temperatur wählen und dafür sorgen, dass die Feuchtigkeit entweichen kann.
Für kleine Mengen ist die klassische Lufttrocknung häufig völlig ausreichend.
Kräuter im Schatten oder in der Sonne trocknen?
Ein sonniger Platz erscheint zunächst logisch: Sonne = Wärme = schneller trocken.
Beim Kräutertrocknen ist schneller aber nicht automatisch besser.
Starke Sonneneinstrahlung kann Farbe und empfindliche Pflanzenbestandteile beeinträchtigen. Deshalb trockne ich Kräuter lieber an einem warmen, luftigen und schattigen Ort.
Ein trockener Dachboden, ein gut belüfteter Raum oder ein geschützter schattiger Platz können – je nach Bedingungen – geeigneter sein als die Fensterbank in voller Sonne.
Wie lange müssen Kräuter trocknen?
Dafür gibt es keine feste Zahl.
Dünne Blätter und kleine Blüten trocknen schneller als dicke Stängel oder fleischigere Pflanzenteile. Auch Luftfeuchtigkeit, Raumtemperatur und Luftzirkulation spielen eine große Rolle.
Deshalb ist die bessere Frage nicht:
„Wie viele Tage müssen meine Kräuter trocknen?“
sondern:
„Woran erkenne ich, dass sie vollständig trocken sind?“
Woran erkenne ich, dass Kräuter richtig trocken sind?
Jetzt kommt der wichtigste Test.
Gut getrocknete Blätter fühlen sich trocken und raschelig an und lassen sich leicht zwischen den Fingern zerreiben.
Dünnere Stängel sollten nicht mehr weich und biegsam sein, sondern eher brechen.
Fühlt sich das Pflanzenmaterial noch kühl, weich oder biegsam an, gib ihm lieber noch etwas Zeit.
Denn Restfeuchtigkeit möchtest du nicht zusammen mit deinen Kräutern in einem geschlossenen Vorratsglas einschließen.
Warum werden Kräuter beim Trocknen braun?
Ein bisschen Farbveränderung ist beim Trocknen normal.
Werden Kräuter jedoch auffällig dunkel, braun oder stellenweise sogar schwarz, können unterschiedliche Ursachen dahinterstecken.
Zu viel Feuchtigkeit, zu dicke Bündel, mangelnde Luftzirkulation, Druckstellen oder eine ungeeignete Trocknung können beispielsweise eine Rolle spielen.
Auch deshalb solltest du deine Kräuter während des Trocknens regelmäßig kontrollieren.
Bei unangenehmem Geruch, sichtbarem Schimmel oder anderen deutlichen Verderbszeichen gehört das Pflanzenmaterial entsorgt.
Nicht versuchen, nur die betroffene Stelle herauszusortieren.
Die häufigsten Fehler beim Kräutertrocknen
Einige Fehler lassen sich wirklich leicht vermeiden:
Zu große Bündel: Innen bleibt die Feuchtigkeit wesentlich länger erhalten.
Kräuter übereinanderlegen: Dadurch gelangt zu wenig Luft zwischen die Pflanzenteile.
Pralle Sonne: Schnell ist nicht automatisch schonend.
Feuchte Kräuter einlagern: Einer der wichtigsten Punkte überhaupt.
Zu früh zerkleinern: Ganze Blätter und größere Pflanzenteile schützen ihr Aroma bei der Lagerung meist besser als bereits fein zerbröseltes Pflanzenmaterial.
Gläser nicht kontrollieren: Gerade in den ersten Tagen nach dem Abfüllen lohnt sich ein prüfender Blick.
Getrocknete Kräuter richtig aufbewahren
Sind deine Kräuter wirklich vollständig trocken, kannst du sie abfüllen.
Ich bevorzuge dafür saubere, vollständig trockene und gut verschließbare Gefäße.
Anschließend sollten die Kräuter möglichst:
trocken, dunkel und vor Wärme geschützt gelagert werden.
Beschrifte deine Gläser am besten direkt mit:
Pflanzenname + Pflanzenteil + Erntedatum.
Das klingt banal, ist aber spätestens dann Gold wert, wenn mehrere ähnliche Gläser im Schrank stehen. 😄
Und ich würde die Blätter nicht sofort komplett zerbröseln. Häufig ist es sinnvoller, sie möglichst ganz zu lagern und erst bei der Verwendung zu zerkleinern.
Wie lange kann man getrocknete Kräuter aufbewahren?
Auch hier gibt es keine magische Grenze, ab der ein Kraut über Nacht plötzlich „schlecht“ wird.
Mit der Zeit lassen jedoch Farbe, Geruch und Aroma nach.
Kontrolliere deine Vorräte deshalb regelmäßig. Riecht ein Kraut kaum noch, sieht deutlich verändert aus oder zeigt Anzeichen von Feuchtigkeit oder Verderb, solltest du es nicht weiterverwenden.
Ich finde es ohnehin schöner, Kräuter in überschaubaren Mengen zu sammeln und die Vorräte regelmäßig zu erneuern, statt jahrelang große Mengen aufzubewahren.
Welche Kräuter kann ich trocknen?
Viele bekannte Garten- und Wildkräuter eignen sich grundsätzlich zum Trocknen, zum Beispiel:
Brennnessel, Spitzwegerich, Salbei, Thymian, Rosmarin, Minze, Melisse oder Löwenzahn.
Allerdings wird nicht jede Pflanze auf dieselbe Weise geerntet und verarbeitet.
Und genau deshalb werde ich bei Grüne Seele – Naturwissen die einzelnen Pflanzen weiterhin separat vorstellen.
So kannst du im jeweiligen Pflanzenporträt nachlesen, welcher Pflanzenteil gesammelt wird und wofür er traditionell verwendet wurde, während dieser Artikel deine Grundlage für das richtige Trocknen bildet.
Mein Tipp aus der Kräuterküche 🌿
Mach dir keinen Stress daraus.
Du brauchst für deine ersten getrockneten Kräuter weder einen riesigen Vorratsschrank noch teure Geräte.
Ein paar sorgfältig gesammelte Kräuter, ein luftiger Trocknungsplatz und saubere Vorratsgläser reichen für den Anfang völlig aus.
Und wenn du erst einmal das erste Glas mit deinen eigenen getrockneten Kräutern im Regal stehen hast, versteht man ziemlich schnell, warum Kräutersammeln so viel Freude machen kann. 🌿
