Der September ist ein Monat zwischen zwei Welten.
An manchen Tagen fühlt sich die Sonne noch nach Sommer an. Bienen und Hummeln sind unterwegs, Schmetterlinge besuchen die letzten Blüten und im Garten summt und krabbelt es noch.
Und dann gibt es diese anderen Morgen.
Die Luft ist plötzlich kühler. Zwischen Gräsern hängen mit Tautropfen besetzte Spinnennetze, an Hecken leuchten die ersten Früchte und überall entstehen Samenstände.
Der Herbst kündigt sich nicht mit einem einzigen großen Ereignis an. Er kommt in vielen kleinen Veränderungen.
Und genau deshalb lohnt es sich jetzt, draußen einmal etwas genauer hinzusehen.
Nicht nur sammeln. Nicht nur verwerten.
Sondern entdecken, beobachten und verstehen.
Hier sind neun Dinge, die du im September in Garten, Wald und Wiese entdecken kannst.
1. Überall entstehen Samenstände
Während wir im Sommer vor allem auf Blüten achten, beginnt im Spätsommer und Herbst eine andere spannende Zeit: Viele Pflanzen haben ihre Blüte beendet und bilden Früchte und Samen.
Und die müssen irgendwie von der Mutterpflanze wegkommen.
Manche werden vom Wind davongetragen. Andere bleiben an Fell oder Kleidung hängen. Wieder andere werden von Tieren gefressen und an anderer Stelle verbreitet.
Schau dir bei deinem nächsten Spaziergang deshalb einmal nicht nur die Blüten an.
Wie sehen die verblühten Pflanzen jetzt aus?
Vielleicht findest du federleichte Samen, kleine Kapseln, Kletten oder Früchte.
Gerade reife Samenstände aus der Umgebung können im September gut beobachtet werden; auch der NABU weist für den Gartenmonat September auf reife Samenstände und die natürliche Aussaat hin.
2. Die Brennnessel zeigt eine ganz andere Seite
Auch unsere Brennnessel verändert sich.
Jetzt fallen an vielen weiblichen Pflanzen die herabhängenden Samenstände besonders auf. Wer Brennnesseln bisher hauptsächlich wegen ihrer Blätter kennt, entdeckt plötzlich einen völlig anderen Teil der Pflanze.
Aber die Brennnessel ist im September noch aus einem anderen Grund interessant.
Sie ist Lebensraum und Raupenfutterpflanze für verschiedene Schmetterlinge. In einer NABU-Übersicht für den September wird beispielsweise die Große Brennnessel als Raupenfutterpflanze des Landkärtchens aufgeführt.
Das ist ein schöner Anlass, die Pflanze einmal nicht sofort abzuernten oder abzuschneiden, sondern genauer hinzuschauen.
Sind Blätter zusammengerollt?
Entdeckst du Fraßspuren?
Sitzt vielleicht eine Raupe darin?
👉 Interner Link: Brennnesseln und Schmetterlinge.
3. An Hecken beginnt die Zeit der Früchte
Jetzt verändert sich auch das Bild unserer Hecken.
Wo vor einigen Monaten noch Blüten waren, erscheinen Früchte und Beeren. Wildrosen tragen Hagebutten, andere heimische Gehölze ebenfalls ihre charakteristischen Herbstfrüchte.
Und hier beginnt ein wunderschönes Naturthema:
Eine Frucht ist nicht einfach nur etwas, das wir Menschen ernten können.
Heimische Gehölze und Beerensträucher bieten auch Insekten und Vögeln Nahrung und Schutz. Der BUND empfiehlt deshalb unter anderem heimische Wildrosen, Weißdorn, Schlehe und Eberesche für naturnahe Gärten.
Deshalb muss auch nicht jede Hagebutte im Sammelkorb landen.
Ein Teil darf einfach hängen bleiben.
Kleine Beobachtungsidee
Suche dir eine Hecke mit Früchten und besuche sie in den kommenden Wochen immer wieder.
Vielleicht entdeckst du irgendwann, wer sich dort bedient.
4. Efeu wird jetzt plötzlich richtig interessant
Efeu läuft bei vielen Menschen das ganze Jahr eher unter „grüne Kletterpflanze“.
Aber im Spätsommer und Herbst lohnt sich ein genauer Blick.
Während viele andere Pflanzen bereits verblüht sind, gehören Efeublüten zu den späten Nahrungsangeboten für verschiedene Insekten. Selbst Schmetterlinge wie der C-Falter nutzen im Spätsommer und Herbst unter anderem Efeublüten.
Und auch Hummeln können Efeu als Nahrungsquelle nutzen.
Wenn du also blühenden Efeu findest:
Bleib einmal zwei Minuten davor stehen.
Schau nicht nur auf die Pflanze.
Schau, wer kommt.
🐝 Hummel?
🦋 Schmetterling?
🐝 Biene?
🪰 Schwebfliege?
Vielleicht ist dort mehr los, als du zunächst denkst.
5. Hummeln sind noch unterwegs
Mit dem September verschwinden Hummeln nicht plötzlich.
Einige Arten können noch bis weit in den Herbst hinein beobachtet werden. Die Ackerhummel beispielsweise fliegt laut NABU von März bis Oktober. Hummeln benötigen über ihre Aktivitätszeit hinweg Nektar und Pollen und profitieren deshalb von einem möglichst kontinuierlichen Blütenangebot.
Das macht spät blühende Pflanzen im Garten besonders interessant.
Anstatt jetzt alles auf „Herbstmodus“ zu stellen, lohnt sich die Frage:
Was blüht bei mir eigentlich noch?
Und wer besucht diese Blüten?
6. Manche Schmetterlinge bereiten sich auf den Winter vor
Auch bei Schmetterlingen gibt es nicht die eine Strategie für den Winter.
Besonders spannend ist beispielsweise der C-Falter. Er gehört zu den Arten, die als erwachsener Falter überwintern. Seine dunkle Flügelunterseite hilft ihm dabei, zwischen Laub und Ästen kaum aufzufallen.
Andere Schmetterlinge überstehen die kalte Jahreszeit in anderen Entwicklungsstadien oder verfolgen andere Strategien.
Und schon haben wir wieder eine dieser Fragen, über die man normalerweise kaum nachdenkt:
Wo sind eigentlich all die Schmetterlinge, wenn es Winter wird?
Genau daraus machen wir einen eigenen Beitrag.
👉 Interner Link: Brennnessel-/Schmetterlingsartikel
7. Jetzt bitte nicht alles abschneiden
Im September beginnt bei vielen der große Garten-Aufräumreflex.
Verblüht?
Abschneiden.
Trocken?
Weg damit.
Dabei können gerade diese vermeintlich „unordentlichen“ Stellen wertvoll sein.
Der BUND empfiehlt ausdrücklich, verblühte Stängel stehen zu lassen: Sie können Insekten als Überwinterungsquartier oder Wildbienen als Nistmöglichkeit dienen; Samenstände wiederum können Vögeln Nahrung bieten.
Auch Laub, Reisig und Totholz schaffen Rückzugsorte für unterschiedliche Tiere.
Vielleicht müssen wir deshalb unseren Blick auf einen schönen Herbstgarten etwas verändern.
Ein Garten muss im September nicht aussehen wie frisch gesaugt.
Ein bisschen „Unordnung“ kann voller Leben stecken.
Merke dir:
Nicht alles, was für uns vertrocknet aussieht, ist für die Natur wertlos.
Das bekommt definitiv einen eigenen Artikel:
Warum du deinen Garten im Herbst nicht komplett aufräumen solltest.
8. Spinnennetze werden plötzlich sichtbar
Kennst du diese Septembermorgen?
Du gehst nach draußen und plötzlich scheinen überall Spinnennetze zu hängen.
Zwischen Gräsern.
An Sträuchern.
Zwischen verblühten Pflanzen.
Manche waren möglicherweise vorher schon da – doch Feuchtigkeit und Morgentau machen die feinen Fäden besonders gut sichtbar.
Auch zwischen trockenen Pflanzenstängeln können im Herbst auffällige, taubedeckte Netze entstehen. Der BUND nennt genau diese Bilder als einen der schönen Aspekte eines weniger aufgeräumten Herbstgartens.
Anstatt das Netz gleich wegzumachen:
Schau einmal genauer hin.
Kannst du erkennen, wie es gebaut ist?
Sitzt die Spinne in der Mitte?
Oder versteckt sie sich irgendwo am Rand?
Das wäre später übrigens ein wunderschöner Artikel:
Warum wir im Herbst plötzlich überall Spinnennetze sehen.
9. Der Herbst beginnt nicht an einem einzigen Tag
Auf dem Kalender können wir einen Herbstanfang markieren.
Die Natur funktioniert etwas anders.
Ein warmer September kann sich lange sommerlich anfühlen. An einem anderen Ort färben sich bereits Blätter, Früchte reifen und die ersten kühlen Nächte verändern das Bild.
Deshalb ist Naturbeobachtung so spannend.
Du kannst jedes Jahr dieselbe Stelle besuchen – und trotzdem wird sie nie exakt gleich aussehen.
Wann findest du die erste reife Hagebutte?
Wann öffnet sich der Efeu?
Wann siehst du die letzte Hummel?
Wann fällt das erste Blatt von deinem Lieblingsbaum?
Plötzlich wird aus einem Spaziergang eine kleine Entdeckungsreise.
🌿 Kleine Naturpause: 10 Minuten September
Du brauchst dafür nichts.
Kein Handy.
Keine App.
Keine besondere Ausrüstung.
Geh zehn Minuten nach draußen und versuche, vier Dinge zu finden:
einen Samenstand – eine Herbstfrucht – ein Spinnennetz – ein Insekt.
Und wenn du möchtest, such anschließend noch etwas, das du vorher noch nie bewusst wahrgenommen hast.
Mehr ist es nicht.
Naturaufenthalte werden auch vom Umweltbundesamt mit positiven Empfindungen und Wohlbefinden in Verbindung gebracht; Grünflächen und Wasser können zum Wohlbefinden beitragen.
Manchmal besteht eine kleine Auszeit einfach darin, zehn Minuten wirklich hinzusehen.
Der September ist nicht das Ende des Naturjahres
Wenn die großen Sommerblüten verschwinden, wirkt es manchmal so, als würde draußen langsam nichts mehr passieren.
Dabei verändert sich nur das, worauf wir achten müssen.
Blüten werden zu Samen.
Hecken tragen Früchte.
Insekten nutzen die letzten Nahrungsquellen.
Tiere bereiten sich auf die kalte Jahreszeit vor.
Und der Garten beginnt, Rückzugsort für den Winter zu werden.
Vielleicht ist der September deshalb einer der schönsten Monate, um Naturbeobachtung anzufangen.
Nicht nur sammeln. Nicht nur verwerten. Sondern stehen bleiben, hinschauen und verstehen.
Genau darum geht es bei GrueneSeele – Naturwissen zwischen Wald & Wiese.