Lavendel nach der ersten Blüte schneiden: So blüht meiner ein zweites Mal
Viele kennen Lavendel als typische Sommerpflanze: Er blüht wunderschön violett, Bienen und Hummeln besuchen ihn ständig – und irgendwann sind die Blüten verblüht.
Dann war es das für dieses Jahr?
Bei meinem Lavendel nicht.
Ich schneide meinen Lavendel nach der ersten Blüte zurück und kann mich später im Jahr regelmäßig über eine zweite Blüte freuen.
Dabei orientiere ich mich gar nicht an einem bestimmten Datum. Ich schaue mir die Pflanze an. Wenn die erste Blüte vorbei ist und die Blütenstände „leer“ aussehen, weiß ich: Jetzt ist für mich der Zeitpunkt gekommen, zur Schere zu greifen.
In diesem Artikel zeige ich dir, woran ich das erkenne, wie ich meinen Lavendel zurückschneide und warum der richtige Zeitpunkt entscheidend sein kann, wenn du auf eine zweite Blüte hoffst.
Kann Lavendel zweimal im Jahr blühen?
Ja – Lavendel kann nach seiner ersten Hauptblüte noch einmal neue Blütentriebe bilden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Lavendel garantiert zweimal gleich üppig blüht.
Sorte, Standort, Wetter, Pflege und vor allem der Zeitpunkt des Sommerschnitts spielen dabei eine Rolle. Die zweite Blüte fällt häufig etwas kleiner aus als die erste.
Bei meinem eigenen Lavendel funktioniert es regelmäßig: Nach der ersten Blüte schneide ich ihn zurück und später erscheinen neue Blüten.
Das ist meine persönliche Gartenerfahrung – keine Garantie dafür, dass jede Lavendelpflanze unter allen Bedingungen genauso reagiert.
Wann schneide ich meinen Lavendel nach der ersten Blüte?
Ich schaue weniger auf den Kalender als auf meinen Lavendel.
Während der Hauptblüte sitzen an den langen Stielen zahlreiche violette Einzelblüten. Mit der Zeit verschwinden sie. Die Blütenstände werden zunehmend trocken, bräunlich und wirken irgendwann regelrecht leer.
Genau diesen Unterschied kann man sehen.
Wenn kaum noch Blüten vorhanden sind und die erste Blüte eindeutig vorbei ist, schneide ich.
Allgemein wird empfohlen, Lavendel nach der ersten Blüte im Sommer zurückzuschneiden. Dabei sollte man nicht unnötig lange warten, denn ein früher Sommerschnitt gibt der Pflanze mehr Zeit, neue Triebe und möglicherweise eine zweite Blüte zu bilden.
Warum schneide ich die verblühten Blüten überhaupt ab?
Nach der Blüte beginnt eine Pflanze normalerweise damit, Energie in die Samenbildung zu investieren.
Durch das Entfernen der verblühten Blütenstände wird dieser Prozess unterbrochen.
Gleichzeitig regt der Sommerschnitt den Lavendel zu neuem Austrieb an.
Bei passenden Bedingungen können sich an diesen jungen Trieben später im Sommer beziehungsweise Spätsommer neue Blüten entwickeln.
Ein regelmäßiger Schnitt hat noch einen weiteren Vorteil: Lavendel ist ein Halbstrauch und verholzt mit zunehmendem Alter von unten. Regelmäßiges Schneiden hilft dabei, die Pflanze kompakter zu halten.
Wie weit schneide ich Lavendel nach der ersten Blüte zurück?
Hier ist ein Punkt besonders wichtig:
Nicht einfach nur die braunen Blütenköpfe einzeln abschneiden – aber auch nicht tief ins alte Holz schneiden.
Als Orientierung für den Sommerschnitt gilt:
Etwa ein Drittel zurückschneiden.
Dabei werden die verblühten Blütenstiele und ein Teil des diesjährigen grünen Austriebs entfernt.
Der untere, noch belaubte Bereich bleibt erhalten.
Ich schaue auch hier lieber auf die Pflanze als ausschließlich auf Zentimeterangaben. Lavendel wächst schließlich nicht überall exakt gleich.
Achtung: Nicht ins alte kahle Holz schneiden
Lavendel verholzt mit der Zeit von unten.
Wenn du zwischen die grünen Triebe schaust, kannst du diesen älteren, braunen und holzigen Bereich gut erkennen.
Dort solltest du beim normalen Sommerschnitt nicht hineinschneiden.
Aus altem, unbeblättertem Holz treibt Lavendel häufig nur schlecht wieder aus.
Deshalb lasse ich immer ausreichend grünen, belaubten Austrieb an der Pflanze stehen.
So gehe ich bei meinem Lavendel vor
Wenn die erste Blüte vorbei ist, mache ich es ganz unkompliziert:
- Ich schaue, ob die Blütenstände weitgehend verblüht und „leer“ sind.
- Dann nehme ich eine saubere, scharfe Garten- oder Heckenschere.
- Die verblühten Blütentriebe schneide ich zusammen mit einem Teil des grünen Austriebs zurück.
- Insgesamt kürze ich die Pflanze ungefähr um ein Drittel.
- Den alten, kahlen und verholzten Bereich lasse ich unangetastet.
- Anschließend bekommt der Lavendel Zeit, neu auszutreiben.
Und dann heißt es beobachten.
Nach einiger Zeit erscheinen frische Triebe – und bei meinem Lavendel entwickeln sich daraus später erneut Blüten.
Wie sieht die zweite Lavendelblüte aus?
Erwarte nicht unbedingt eine zweite Blüte, die genauso groß und üppig ist wie die erste.
Bei einer Nachblüte können weniger Blütenstände erscheinen und die Blüte insgesamt etwas schwächer ausfallen.
Ich finde sie trotzdem wunderschön.
Denn während viele andere Pflanzen langsam Richtung Spätsommer gehen, erscheinen am Lavendel noch einmal frische violette Blüten.
Und natürlich werden auch diese wieder von Insekten besucht.
Was braucht Lavendel nach dem Sommerschnitt?
Lavendel liebt einen sonnigen Standort und einen eher trockenen, gut durchlässigen Boden.
Nach dem Sommerschnitt beobachte ich die Pflanze einfach weiter. Bei längerer Trockenheit kann Wasser nötig sein, besonders bei Lavendel im Topf.
Eine kräftige Düngung ist dagegen nicht erforderlich. Lavendel gehört zu den Pflanzen, die mit eher nährstoffarmen Bedingungen gut zurechtkommen.
Vor allem sollte man nach dem Sommerschnitt nicht versuchen, die zweite Blüte mit viel Dünger zu erzwingen.
Sommerschnitt und Frühjahrsschnitt sind nicht dasselbe
Das wird schnell verwechselt.
Der Sommerschnitt nach der ersten Blüte ist vergleichsweise moderat. Hier wird ungefähr ein Drittel zurückgenommen.
Im Frühjahr darf Lavendel deutlich kräftiger zurückgeschnitten werden. Häufig spricht man deshalb von der sogenannten Ein-Drittel-Zwei-Drittel-Regel:
Sommer: etwa ein Drittel.
Frühjahr: bis etwa zwei Drittel.
Auch beim Frühjahrsschnitt gilt allerdings: Nicht bedenkenlos tief ins alte, kahle Holz schneiden.
Nicht zu spät im Jahr schneiden
Wer eine zweite Blüte fördern möchte, sollte mit dem Sommerschnitt nicht bis weit in den Herbst warten.
Die Pflanze braucht schließlich Zeit, um neue Triebe zu bilden. Diese müssen außerdem vor dem Winter ausreichend ausreifen können.
Ist der Sommer bereits weit fortgeschritten und der richtige Zeitpunkt wurde verpasst, sollte man deshalb nicht einfach einen kräftigen späten Rückschnitt durchführen.
Woran erkenne ich verblühten Lavendel?
Das möchte ich noch einmal hervorheben, weil genau das für mich im Garten viel hilfreicher ist als ein festes Datum.
Schau dir die Blütenähren genau an.
Während der Blüte sitzen daran viele kleine violette Einzelblüten. Nach und nach verschwinden diese. Zurück bleiben trockener wirkende Blütenstände.
Irgendwann sehen sie fast leer aus.
Wenn du einmal bewusst darauf achtest, erkennst du den Unterschied ziemlich schnell.
Und genau diesen Zustand nutze ich bei meinem Lavendel als Signal für den Sommerschnitt.
Kann ich die abgeschnittenen Lavendelblüten noch verwenden?
Hier kommt es darauf an, wann du sie schneidest und wofür du sie verwenden möchtest.
Wenn Lavendelblüten beispielsweise besonders aromatisch zum Trocknen geerntet werden sollen, wartet man normalerweise nicht, bis sie vollständig verblüht sind.
Die „leeren“ Blütenstände meines Sommerschnitts sind deshalb nicht dasselbe wie eine gezielte Lavendelernte.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Möchtest du Lavendel zum Trocknen, für Duftsäckchen oder für andere Projekte ernten, lohnt es sich, einen Teil der Blüten bereits zu einem früheren Zeitpunkt zu schneiden.
Meine Erfahrung: Ich lasse mir die zweite Blüte nicht entgehen
Früher hätte ich bei verblühtem Lavendel vielleicht gedacht: Das war’s für dieses Jahr.
Heute weiß ich aus meinem eigenen Garten, dass es sich lohnt, noch einmal zur Schere zu greifen.
Ich warte, bis die erste Blüte vorbei ist und die Blütenstände sichtbar leer werden. Dann bekommt mein Lavendel seinen Sommerschnitt.
Und irgendwann beginnt zwischen dem graugrünen Laub wieder etwas Violettes aufzutauchen.

Die zweite Blüte.
Vielleicht etwas kleiner als die erste – aber für mich jedes Mal wieder schön.
Und genau solche Beobachtungen liebe ich am Gärtnern: Man muss nicht nur wissen, was in einem Kalender steht. Man kann lernen, die Pflanze selbst zu beobachten.
Denn oft zeigt sie uns ziemlich genau, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist.


