Ringelblumenöl selber machen: Ölauszug aus Calendula herstellen

Ringelblumenöl selber machen: Ölauszug aus Calendula herstellen

Ringelblumen gehören zu diesen Pflanzen, die man kaum übersehen kann.

Ihre gelben bis leuchtend orangefarbenen Blüten stehen oft über Wochen im Garten und wirken fast so, als würden sie ein kleines Stück Sonne speichern.

Und genau aus diesen Blüten lässt sich ein Ringelblumenöl – ein sogenanntes Ölmazerat – herstellen.

Doch bevor wir einfach Blüten in ein Glas geben und Öl darüber gießen, lohnt es sich wieder, genauer hinzusehen:

Welche Ringelblume verwenden wir eigentlich?

Nimmt man die ganzen Blütenköpfe oder nur die Blütenblätter?

Frisch oder getrocknet?

Welches Öl eignet sich?

Und warum wird das fertige Öl manchmal deutlich orangefarben?

Welche Ringelblume verwenden wir?

Für unser Ringelblumenöl verwenden wir die Garten-Ringelblume, Calendula officinalis L.

Sie gehört zur Familie der Korbblütler, den Asteraceae.

Calendula officinalis ist botanisch als eigene Art anerkannt und stammt ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeerraum. Heute wird sie weit darüber hinaus kultiviert und ist auch bei uns eine bekannte Gartenpflanze.

Für traditionelle pflanzliche Zubereitungen werden vor allem die Blüten verwendet. Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur führt Calendula officinalis L., flos – also Ringelblumenblüten – in ihrer Pflanzenmonografie.

Ganze Blütenköpfe oder nur Blütenblätter?

Bei Ringelblumen sieht das vermeintlich einfache Wort „Blüte“ botanisch etwas anders aus.

Was wir als einzelne Ringelblumenblüte wahrnehmen, ist eigentlich ein ganzer Blütenkorb aus vielen Einzelblüten.

Außen sitzen die auffälligen Zungenblüten, innen die kleineren Röhrenblüten.

Für einen selbstgemachten Ölauszug werden häufig die getrockneten Blüten beziehungsweise Blütenteile verwendet.

Ich würde für unseren einfachen kosmetischen Ansatz bevorzugen:

gut getrocknete Blütenblätter beziehungsweise locker zerlegte, vollständig getrocknete Blütenköpfe.

Der wichtigste Punkt ist weniger, ob exakt jedes grüne Kelchteil entfernt wurde.

Entscheidend ist:

Das Pflanzenmaterial muss wirklich trocken sein.

Warum getrocknete Ringelblumen?

Das kennen wir bereits aus unserem Grundlagenartikel über Ölauszüge.

Frische Pflanzen enthalten Wasser.

Kommt dieses Wasser in einen Ölansatz, steigt das Risiko für unerwünschte mikrobielle Veränderungen.

Für einen einfachen Ringelblumen-Ölauszug zu Hause sind deshalb gut getrocknete Blüten die unkompliziertere Variante.

Das bedeutet nicht, dass traditionelle Zubereitungen mit frischem Pflanzenmaterial grundsätzlich falsch wären.

Aber für einen reproduzierbaren kosmetischen Ansatz mit möglichst wenig Restfeuchte starten wir bewusst mit getrocknetem Material.

Warum sind Ringelblumen eigentlich so orange?

Jetzt kommt unser kleiner Naturwissen-Abstecher.

Die Blüten von Calendula officinalis enthalten unterschiedliche Carotinoide.

Carotinoide sind Pflanzenpigmente, die unter anderem gelbe, orange und rötliche Farbtöne erzeugen können.

Untersuchungen an Ringelblumenblüten haben zahlreiche unterschiedliche Carotinoide nachgewiesen.

Besonders spannend:

Orangefarbene Ringelblumensorten besitzen teilweise andere beziehungsweise zusätzliche Carotinoide als gelbe Sorten. Einige dieser Pigmente tragen direkt zur kräftigen orangefarbenen Blütenfarbe bei.

Deshalb sind zwei Ringelblumen aus demselben Garten chemisch nicht automatisch vollkommen identisch, nur weil auf beiden Calendula officinalis steht.

Wandern diese Farbstoffe auch ins Öl?

Zum Teil ja.

Viele Carotinoide besitzen fettlösliche beziehungsweise lipophile Eigenschaften.

Genau deshalb können bestimmte Bestandteile der Ringelblumenblüten in ein Pflanzenöl übergehen.

Neben Carotinoiden enthält Calendula officinalis aber noch zahlreiche andere Stoffgruppen – unter anderem Flavonoide, Triterpene und weitere sekundäre Pflanzenstoffe.

Und hier gilt wieder unsere wichtige Regel:

Ein Ölmazerat extrahiert nicht sämtliche Inhaltsstoffe einer Pflanze gleichermaßen.

Fettlösliche Bestandteile werden anders erfasst als stärker wasserlösliche Stoffe.

Deshalb ist Ringelblumenöl nicht einfach „die ganze Ringelblume in flüssiger Form“.

Welches Öl eignet sich für Ringelblumenöl?

Du kannst verschiedene hautgeeignete Pflanzenöle verwenden.

Für einen einfachen Ansatz eignen sich beispielsweise:

  • Olivenöl
  • Sonnenblumenöl
  • Mandelöl

Jedes Öl verändert das fertige Mazerat.

Olivenöl ist vergleichsweise oxidationsstabil, besitzt aber einen deutlicheren Eigengeruch.

Mandelöl fühlt sich auf der Haut leichter an, ist jedoch oxidativ empfindlicher.

Für einen ersten Versuch würde ich ein frisches, hautgeeignetes und möglichst stabiles Pflanzenöl wählen.

Wenn du das Ringelblumenöl später für eine Salbe verwenden möchtest, sollte dir auch das Hautgefühl des Öls gefallen.

Ringelblumenöl selber machen – einfaches Grundrezept

Für einen kleinen Ansatz brauchst du:

Zutaten

  • etwa 10 g vollständig getrocknete Ringelblumenblüten
  • etwa 100 g Pflanzenöl

Damit arbeiten wir mit einem gut nachvollziehbaren Verhältnis von ungefähr 1 Teil Pflanzenmaterial zu 10 Teilen Öl nach Gewicht.

Das ist kein pharmazeutisch standardisierter Extrakt.

Es ist ein praktisches Hausrezept, das sich gut dokumentieren und später wiederholen lässt.

Außerdem brauchst du

  • ein sauberes, vollständig trockenes Schraubglas
  • eine Küchen- oder Feinwaage
  • einen sauberen Löffel
  • später ein feines Filtertuch oder Sieb
  • eine saubere dunkle Glasflasche beziehungsweise ein dunkles Glas

Schritt 1: Ringelblumen kontrollieren

Bevor die Blüten ins Glas kommen, schau sie dir in Ruhe an.

Sie sollten:

  • vollständig trocken sein,
  • normal riechen,
  • keine feuchten Stellen zeigen,
  • keine sichtbaren Schimmelspuren besitzen.

Wenn du Blüten selbst gesammelt und getrocknet hast, ist dieser Schritt besonders wichtig.

Schritt 2: Blüten etwas zerkleinern

Zerreibe die trockenen Blüten leicht zwischen den Fingern oder zerkleinere größere Blütenteile grob.

Sie müssen nicht pulverisiert werden.

Durch die Zerkleinerung vergrößert sich lediglich die Oberfläche, die mit dem Öl in Kontakt kommt.

Schritt 3: Blüten ins Glas geben

Gib die abgewogenen Ringelblumen in dein sauberes und vollkommen trockenes Glas.

Drücke sie nicht extrem fest zusammen.

Das Öl soll später möglichst gut an alle Pflanzenteile gelangen.

Schritt 4: Mit Öl übergießen

Gib das abgewogene Pflanzenöl dazu.

Alle Pflanzenteile sollten vollständig mit Öl benetzt beziehungsweise bedeckt sein.

Rühre vorsichtig um.

Dabei steigen oft kleine Luftblasen aus dem Pflanzenmaterial auf.

Anschließend kontrollierst du noch einmal, ob irgendwo trockene Pflanzenteile aus dem Öl herausragen.

Schritt 5: Glas beschriften

Und diesmal wirklich sofort. 😄

Notiere:

Ringelblume – Calendula officinalis

verwendetes Öl

Verhältnis Pflanze : Öl

Ansatzdatum

Dann weißt du später exakt, was in deinem Glas steckt.

Wie lange sollte Ringelblumenöl ziehen?

Für einen traditionellen Kaltauszug findet man häufig Zeiträume von mehreren Wochen.

Für unseren Hausansatz kannst du mit ungefähr 3 bis 4 Wochen arbeiten.

Dabei sollte das Glas nicht permanent in praller, stark aufheizender Sonne stehen.

Ein warmer Platz ohne extreme Hitze ist die unkompliziertere Variante.

Schwenke das Glas gelegentlich vorsichtig und kontrolliere regelmäßig, ob das Pflanzenmaterial vollständig mit Öl bedeckt bleibt.

Muss Ringelblumenöl auf die Fensterbank?

Nein.

Die berühmte sonnige Fensterbank ist nicht automatisch Voraussetzung für einen guten Ölauszug.

Licht und Wärme können Extraktionsprozesse beeinflussen – gleichzeitig fördern starke Wärme, Licht und Sauerstoff auch die Oxidation von Pflanzenölen.

Deshalb stelle ich das Glas lieber hell bis halbschattig und warm, aber nicht dauerhaft heiß.

Vor allem hinter einer Glasscheibe kann ein Ansatz im Sommer wesentlich wärmer werden, als man denkt.

Kann man Ringelblumenöl auch warm ausziehen?

Ja.

Statt mehrere Wochen zu warten, lässt sich ein Ringelblumenmazerat auch mit sanfter kontrollierter Wärmeherstellen.

Dazu wird das Glas beziehungsweise ein geeignetes hitzebeständiges Gefäß in einem Wasserbad vorsichtig erwärmt.

Wichtig ist:

Das Öl soll nicht stark erhitzt oder gar gekocht werden.

Der Warmauszug beschleunigt den Prozess, verändert aber gleichzeitig die Extraktionsbedingungen.

Für unsere ersten Ringelblumenprojekte finde ich den langsamen Kaltauszug besonders schön, weil man die Veränderung des Öls über mehrere Wochen beobachten kann.

Wird das Öl wirklich orange?

Das hängt vom Ausgangsmaterial und vom verwendeten Öl ab.

Bei kräftig orangefarbenen Ringelblumen kann das Mazerat mit der Zeit deutlich goldener bis orangefarbener wirken.

Bei helleren Blüten kann die Farbveränderung dezenter sein.

Auch das Ausgangsöl spielt natürlich mit hinein.

Olivenöl besitzt bereits eine eigene gelb-grünliche Färbung.

Ein helleres Pflanzenöl lässt Veränderungen möglicherweise deutlicher erkennen.

Die Farbe allein sagt jedoch nicht, wie „gut“ oder „wirksam“ ein fertiger Ölauszug ist.

Sie zeigt uns vielmehr, dass bestimmte farbgebende Pflanzenbestandteile in das Öl übergegangen sind.

Was passiert während der drei Wochen?

Von außen sieht es zunächst wenig spektakulär aus.

Pflanzenteile liegen in Öl.

Aber zwischen ihnen findet ständig Stoffaustausch statt.

Fettlösliche Bestandteile verlassen nach und nach das Pflanzenmaterial und verteilen sich im Öl.

Gleichzeitig verändern Licht, Temperatur, Zeit und Sauerstoff das gesamte System.

Ein Ölauszug ist deshalb keine magische Transformation.

Er ist ein Extraktionsprozess.

Und genau deshalb ist es sinnvoll, Bedingungen und Mengen aufzuschreiben.

Regelmäßig kontrollieren

Schau alle paar Tage nach deinem Glas.

Achte auf:

  • Geruch
  • Farbe
  • ungewöhnliche Trübungen
  • Feuchtigkeit
  • Pflanzenteile über der Öloberfläche
  • andere auffällige Veränderungen

Ein Ansatz soll angenehm pflanzlich beziehungsweise nach dem Trägeröl riechen.

Bei auffälligem, unangenehmem oder ranzigem Geruch würde ich ihn nicht weiterverwenden.

Schritt 6: Ringelblumenöl filtern

Nach der Mazerationszeit werden die Pflanzenteile entfernt.

Gieße das Öl langsam durch ein feines Filtertuch oder ein geeignetes Sieb.

Lasse es in ein sauberes und vollständig trockenes Gefäß laufen.

Je sauberer du filtrierst, desto weniger Pflanzenpartikel bleiben später im Öl.

Bei Bedarf kannst du einen zweiten Filterdurchgang machen.

Muss ich die Blüten ausdrücken?

Du kannst das Pflanzenmaterial vorsichtig auspressen.

Dabei gelangt allerdings häufig auch mehr feiner Pflanzenabrieb ins Öl.

Ich würde deshalb lieber langsam abtropfen lassen und anschließend noch einmal fein filtern.

Bei kleinen Mengen ist mir ein sauberes Öl wichtiger als der letzte Milliliter.

Schritt 7: Abfüllen und beschriften

Fülle dein fertiges Ringelblumenöl in eine saubere, trockene Flasche – idealerweise aus dunklem Glas.

Auf das Etikett kommen:

Ringelblumenöl

Calendula officinalis

Trägeröl

Herstellungsdatum

Abfülldatum

So weißt du auch Monate später noch, was du vor dir hast.

Wie lagere ich Ringelblumenöl?

Lagere das fertige Öl:

  • kühl,
  • dunkel,
  • trocken
  • und gut verschlossen.

Wärme, Licht und Sauerstoff beschleunigen die Alterung vieler Pflanzenöle.

Deshalb gehört ein fertiges Mazerat nicht dauerhaft auf die sonnige Fensterbank.

Die darf nach der Herstellung wieder den Pflanzen gehören. 😄

Wie lange ist Ringelblumenöl haltbar?

Eine pauschale Angabe wie „genau zwölf Monate“ wäre unseriös.

Die Haltbarkeit hängt unter anderem ab von:

  • dem verwendeten Pflanzenöl,
  • dessen Frische,
  • Oxidationsstabilität,
  • Restfeuchte der Ringelblumen,
  • Hygiene bei der Herstellung,
  • Lagerung,
  • Licht
  • und Sauerstoffkontakt.

Stelle deshalb lieber kleinere Mengen her.

Wenn sich Geruch oder Aussehen auffällig verändern oder das Öl ranzig riecht, solltest du es entsorgen.

Wofür kann ich Ringelblumenöl verwenden?

Unser selbstgemachtes Ringelblumenöl ist für äußerliche kosmetische Anwendung gedacht.

Du kannst es beispielsweise als einfaches Pflegeöl verwenden oder zu anderen wasserfreien Pflegeprodukten weiterverarbeiten.

Und jetzt kommt natürlich genau das, worauf unser ganzer Salben-Cluster hinausläuft:

Ringelblumenöl + Bienenwachs = Ringelblumensalbe

Damit können wir unser Salben-Grundrezept endlich mit einem selbst hergestellten Pflanzenmazerat kombinieren.

Traditionelle Verwendung der Ringelblume

Die Ringelblume besitzt eine lange Tradition in pflanzlichen Zubereitungen für die Haut.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt Ringelblumenblüten in einer Pflanzenmonografie zur traditionellen Verwendung bei bestimmten leichten Hautproblemen und kleineren Wunden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass unser selbstgemachtes Ringelblumenöl automatisch ein Arzneimittel ist.

Unsere Zubereitung bleibt ein selbst hergestelltes kosmetisches Pflegeöl.

Genau diese Trennung ist wichtig.

Traditionelles Pflanzenwissen darf interessant sein, ohne daraus Heilversprechen für ein selbstgemachtes Produkt abzuleiten.

Vorsicht bei Korbblütler-Allergien

Ringelblumen gehören zur Familie der Asteraceae – den Korbblütlern.

Menschen mit bekannten Allergien beziehungsweise Überempfindlichkeiten gegenüber Pflanzen dieser Familie sollten deshalb besonders vorsichtig sein.

Bei Unsicherheit oder auffälligen Hautreaktionen sollte ein Produkt nicht weiterverwendet werden.

Ein kleiner Verträglichkeitstest an einer begrenzten Hautstelle kann bei selbstgemachten Pflegeprodukten grundsätzlich sinnvoll sein.

Unser Ringelblumenöl im Salben-Baukasten

Jetzt haben wir bereits drei wichtige Bausteine kennengelernt:

1. Salbe selber machen

Wir wissen, warum Öl und Bienenwachs eine streichfähige Salbe ergeben.

2. Ölauszug verstehen

Wir wissen, dass Öl vor allem bestimmte fettlösliche Pflanzenbestandteile aufnehmen kann.

3. Ringelblumenöl herstellen

Jetzt haben wir dieses Wissen auf eine konkrete Pflanze übertragen.

Und damit fehlt nur noch ein Schritt:

Aus unserem Ringelblumenöl wird eine Ringelblumensalbe.

Dann haben wir tatsächlich den kompletten Weg nachvollzogen:

Ringelblume

getrocknete Blüte

Ölauszug

filtriertes Ringelblumenöl

Bienenwachs

fertige Ringelblumensalbe

Und genau das gefällt mir an diesem Thema so gut.

Wir sammeln nicht einfach Rezepte.

Wir bauen Stück für Stück ein Verständnis dafür auf, wie aus einer Pflanze überhaupt ein selbstgemachtes Pflegeprodukt entsteht.

Vielleicht schaust du eine Ringelblume im Garten danach ein kleines bisschen anders an.

Denn diese orangefarbene Blüte ist nicht nur hübsch.

Sie ist gleichzeitig ein kleines botanisches Labor voller Pigmente, Pflanzenstoffe – und spannender Zusammenhänge.

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