Schlehen sammeln und verarbeiten – die dunkelblauen Früchte des Herbstes
Wenn im Herbst an dornigen Hecken kleine dunkelblaue bis fast schwarze Früchte hängen, lohnt sich ein genauerer Blick. Es könnten Schlehen sein – die Früchte des Schlehdorns oder Schwarzdorns (Prunus spinosa).
Schlehen gehören zu den Wildfrüchten, die man nicht unbedingt direkt vom Strauch probiert und anschließend begeistert weiterisst. 😂 Frisch schmecken sie meist ausgesprochen herb, sauer und zusammenziehend.
Mit etwas Geduld verändert sich das jedoch. Und genau deshalb gehören Schlehen für mich unbedingt in unseren Herbstkorb.
Wie erkenne ich Schlehen?
Der Schlehdorn ist ein stark verzweigter, dorniger Strauch und gehört zur Familie der Rosengewächse.
Besonders schön ist er bereits im Frühjahr. Noch bevor die Blätter richtig erscheinen, trägt er zahlreiche kleine weiße Blüten.
Im Herbst entwickeln sich daraus ungefähr haselnussgroße, rundliche Früchte. Sie sind blau-schwarz und häufig von einer hellen, fast weißlich-blauen Wachsschicht überzogen.
Die Früchte reifen hauptsächlich im Oktober und November.
Beim Sammeln würde ich übrigens Handschuhe mitnehmen. Der Name Schlehdorn kommt nicht von ungefähr. 😄
Schlehe oder Heidelbeere?
Auf einem Foto können die dunkelblauen Früchte manchmal ein wenig an sehr große Heidelbeeren erinnern.
Am Strauch lässt sich der Unterschied jedoch schnell erkennen.
Schlehen wachsen an einem holzigen und dornigen Strauch. Die Früchte besitzen außerdem einen einzelnen relativ großen Stein im Inneren.
Eine sichere Bestimmung sollte trotzdem niemals nur anhand der Fruchtfarbe erfolgen.
Wie bei allen Wildfrüchten schauen wir uns immer die gesamte Pflanze an.
Wann sollte man Schlehen sammeln?
Traditionell hört man häufig:
„Schlehen erst nach dem ersten Frost sammeln.“
Ganz falsch ist dieser Gedanke nicht – zwingend notwendig ist Frost aber nicht.
Zu Beginn ihrer Reife enthalten Schlehen viele Gerbstoffe. Deshalb entsteht beim Probieren dieses typische pelzige, zusammenziehende Gefühl im Mund.
Bleiben die Früchte länger am Strauch, werden Gerbstoffe abgebaut und Stärke wird in Zucker umgewandelt. Dadurch werden die Schlehen mit der Zeit milder und etwas süßer. Nachtfrost kann diesen Prozess unterstützen.
Was tun, wenn noch kein Frost gekommen ist?
Dann gibt es einen einfachen Trick.
Vollreife Schlehen können geerntet und anschließend für einige Zeit eingefroren werden. Laut Bundeszentrum für Ernährung kann das einen ähnlichen Effekt haben wie längeres Reifen beziehungsweise Frost am Strauch.
Das ist praktisch, wenn die Früchte reif sind, man aber nicht darauf warten möchte, dass irgendwann die erste frostige Nacht kommt.
Warum schmecken Schlehen so herb?
Dafür sind vor allem die enthaltenen Gerbstoffe verantwortlich.
Zusätzlich enthalten Schlehen unter anderem Flavonoide, Ballast- und Bitterstoffe.
Gerade der hohe Gerbstoffanteil erklärt dieses ganz typische Gefühl:
Man beißt hinein – und gefühlt zieht sich der ganze Mund zusammen. 😂
Mit zunehmender Reife wird dieser Effekt schwächer.
Kann man Schlehen roh essen?
Reife Schlehen sind grundsätzlich essbar.
Geschmacklich sind rohe Früchte allerdings für viele Menschen keine große Offenbarung, weil sie eben sehr herb und sauer sein können.
Viel interessanter werden Schlehen deshalb durch ihre Verarbeitung.
Und da gibt es erstaunlich viele Möglichkeiten.
Was kann man aus Schlehen machen?
Aus Schlehen lassen sich beispielsweise herstellen:
Saft,
Mus,
Kompott,
Sirup,
Konfitüre,
Gelee
und Tee.
Besonders schön lassen sie sich mit süßeren Früchten wie Apfel oder Birne kombinieren.
Damit können wir später aus diesem einen Wildobst gleich mehrere Rezepte entwickeln.
Schlehen entsteinen – bitte auf die Kerne achten
Hier gibt es einen wichtigen Punkt.
Schlehen gehören botanisch zur Gattung Prunus – genauso wie beispielsweise Pflaumen und Kirschen.
Im Inneren befindet sich deshalb ein harter Stein.
Die Kerne enthalten cyanogene Verbindungen, aus denen Blausäure freigesetzt werden kann. Das BZfE empfiehlt deshalb, die Kerne nicht zu verletzen oder mitzuessen.
Für Mus oder ähnliche Zubereitungen gibt es eine einfache Lösung:
Die Früchte werden gegart und anschließend durch ein feines Sieb gestrichen.
So bleibt der Stein zurück und wir erhalten das Fruchtfleisch.
Schlehenmus selber machen
Für ein einfaches Schlehenmus können die gereinigten Früchte zunächst mit etwas Wasser weich gekocht werden.
Danach streicht man die Masse durch ein feines Sieb, sodass die Steine zurückbleiben.
Das entstandene Fruchtmus kann anschließend je nach Rezept weiterverarbeitet werden – beispielsweise mit Apfel oder Birne.
Gerade diese Kombination gefällt mir, weil die Süße der anderen Früchte die herbe Schlehe wunderbar ausgleichen kann.
Schlehengelee
Auch Gelee ist eine schöne Möglichkeit, Schlehen zu verarbeiten.
Die dunklen Früchte ergeben eine intensive Farbe und einen kräftigen Geschmack.
Interessant ist außerdem, dass Schlehen nicht ausschließlich zu süßen Speisen passen. Schlehengelee kann auch zu herzhaften Gerichten, Soßen oder Dressings verwendet werden.
Das macht die Frucht deutlich vielseitiger, als man zunächst denkt.
Kann man aus Schlehen Tee machen?
Ja.
Getrocknete Schlehen können auch für Früchtetee verwendet werden. Das BZfE nennt getrocknete Schlehen außerdem als mögliche Zutat für Müsli, Gebäck oder Reisgerichte.
Damit passen sie perfekt zu unserem geplanten Herbst- und Winterteevorrat.
Ich könnte mir beispielsweise eine Mischung aus Hagebutte, Apfel und Schlehe sehr schön vorstellen.
Natürlich bekommt eine solche Mischung später ihr eigenes Rezept – mit genauen Mengen und Zubereitung.
Schlehen trocknen
Wer Schlehen für Tee oder andere trockene Mischungen aufbewahren möchte, sollte nur einwandfreie Früchte verwenden.
Sie werden gewaschen, sorgfältig kontrolliert und anschließend vollständig getrocknet.
Ein Dörrautomat bietet sich dafür besonders an.
Wie bei allen getrockneten Vorräten gilt:
Erst ins Glas, wenn wirklich keine Restfeuchtigkeit mehr vorhanden ist.
Anschließend dunkel, trocken und gut verschlossen lagern und das Glas mit Inhalt und Datum beschriften.
Warum wir nicht den ganzen Strauch leer pflücken
Bei Schlehen ist mir das besonders wichtig.
Die Früchte bleiben teilweise bis in den Winter hinein am Strauch und sind eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Tiere. Die dichten, dornigen Schlehenhecken bieten außerdem zahlreichen Vogelarten Schutz und Lebensraum.
Deshalb sammeln wir nur einen Teil.
Ein bisschen für unsere Küche.
Und den Rest lassen wir dort, wo er hingehört.
Wo sollte ich keine Schlehen sammeln?
Wie bei allen Wildfrüchten würde ich nicht unmittelbar an stark befahrenen Straßen oder auf offensichtlich belasteten beziehungsweise behandelten Flächen sammeln.
Außerdem muss natürlich geklärt sein, ob an der jeweiligen Stelle überhaupt gesammelt werden darf.
Und ganz wichtig:
Nur sammeln, wenn die Pflanze zweifelsfrei bestimmt wurde.
Bei Unsicherheit bleibt die Frucht am Strauch.
Schlehen sind ein bisschen wie der Herbst selbst
Auf den ersten Blick wirken sie vielleicht unscheinbar.
Dann probiert man eine zu früh und denkt:
Meine Güte, wer möchte DAS denn essen? 😂
Aber gibt man ihnen Zeit und verarbeitet sie richtig, sieht die Sache plötzlich ganz anders aus.
Aus diesen kleinen dunkelblauen Früchten können Tee, Gelee, Mus oder Sirup entstehen.
Und genau das finde ich an Wildfrüchten so spannend.
Man lernt nicht nur, was draußen wächst.
Man lernt auch wieder, dass nicht alles sofort fertig sein muss.
Manches braucht einfach ein bisschen Zeit. 🍂💙
