Ölauszug selber machen: Was ist ein Mazerat und wie funktioniert es?
Ein Kräuterölauszug klingt zunächst ganz einfach: Pflanzenteile kommen in Öl und dürfen dort eine gewisse Zeit ziehen.
Doch hinter diesem Prinzip steckt mehr.
Warum wird überhaupt Öl verwendet? Welche Pflanzenbestandteile können in das Öl übergehen? Warum spielt Feuchtigkeit eine so große Rolle? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Kalt- und einem Warmauszug?
Genau diese Grundlagen schauen wir uns hier an.
Wenn du anschließend selbst einen Ölauszug herstellen möchtest, findest du die vollständigen Mengen, Zeiten und Schritt-für-Schritt-Anleitungen in meinem E-Book „Kräuterauszüge & Salben selbst gemacht“.
Was ist ein Ölauszug?
Ein Kräuterölauszug wird auch Ölmazerat oder kurz Mazerat genannt.
Dabei werden geeignete Pflanzenteile mit einem Trägeröl in Kontakt gebracht.
Das Öl dient dabei nicht nur als Grundlage. Es kann bestimmte fettlösliche beziehungsweise fettliebende Bestandteile aus dem Pflanzenmaterial aufnehmen.
Nach dem Ausziehen wird das Pflanzenmaterial entfernt und das entstandene Kräuteröl kann anschließend beispielsweise für die äußere Pflege oder als Grundlage einer wasserfreien Pflegesalbe verwendet werden.
Öl löst nicht automatisch alles aus einer Pflanze
Pflanzen enthalten sehr unterschiedliche Inhaltsstoffe.
Nicht jeder Pflanzenstoff löst sich gleich gut in Öl.
Öl eignet sich vor allem für fettlösliche oder fettliebende Bestandteile. Andere Pflanzenstoffe lassen sich beispielsweise mit Wasser besser lösen.
Deshalb sind ein Tee und ein Ölauszug nicht einfach zwei Varianten desselben Pflanzenextraktes.
Die Wahl des Auszugsmittels gehört immer zur jeweiligen Zubereitung.
Warum verwendet man Öl?
Für selbstgemachte Pflegesalben ist ein Kräuteröl besonders interessant.
Eine einfache wasserfreie Salbe basiert grundsätzlich auf einer Ölphase und einem festen Konsistenzgeber wie Wachs.
Verwendest du statt eines normalen Pflanzenöls einen passenden Kräuterölauszug, entsteht daraus die Grundlage für eine Kräutersalbe.
Vereinfacht sieht der Weg so aus:
Pflanze → Ölauszug → Pflegesalbe
Genau deshalb gehören Ölauszüge und Salben so eng zusammen.
Welche Pflanzen eignen sich für einen Ölauszug?
Traditionell werden unterschiedliche Pflanzen und Pflanzenteile in Öl angesetzt.
Dazu gehören beispielsweise:
- Ringelblume
- Kamille
- Schafgarbe
- weitere geeignete Blüten oder Kräuter
Wichtig ist jedoch:
Nicht jede Pflanze wird gleich verarbeitet.
Welcher Pflanzenteil geeignet ist, ob frisches oder getrocknetes Material verwendet wird und welche Methode sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Pflanze ab.
Frische oder getrocknete Kräuter?
Für einfache Ölauszüge zu Hause ist vollständig getrocknetes Pflanzenmaterial häufig eine besonders übersichtliche Ausgangsbasis.
Frische Pflanzen enthalten Wasser.
Dieses Wasser gelangt beim Ansetzen ebenfalls in den Ölauszug und kann die Stabilität der Zubereitung beeinflussen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass grundsätzlich niemals frische Pflanzen verwendet werden dürfen.
Es gibt traditionelle Zubereitungen, bei denen bewusst frisches Pflanzenmaterial eingesetzt wird.
Für Einsteiger sind gut getrocknete Kräuter allerdings häufig einfacher zu handhaben.
Woran erkennst du gut getrocknete Kräuter?
Pflanzenmaterial sollte wirklich trocken sein und nicht nur äußerlich trocken wirken.
Blätter fühlen sich nach vollständigem Trocknen meist trocken und raschelig an.
Stängel brechen eher, als dass sie sich weich biegen.
Dickere Blüten oder Pflanzenteile benötigen häufig länger.
Bei Unsicherheit ist es sinnvoll, das Pflanzenmaterial weiter trocknen zu lassen.
Gerade bei einem Ölauszug gilt:
Feuchtigkeit ist eine der häufigsten Fehlerquellen.
Welches Öl eignet sich als Trägeröl?
Für einen Ölauszug können unterschiedliche hautgeeignete Pflanzenöle verwendet werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- Olivenöl
- High-Oleic-Sonnenblumenöl
- Mandelöl
- Jojoba
Welches Öl am besten passt, hängt vom jeweiligen Projekt ab.
Die Öle unterscheiden sich unter anderem in:
- Geruch
- Hautgefühl
- Farbe
- Oxidationsstabilität
Ein stabiles, frisches Öl ist für kleine Hausansätze besonders sinnvoll.
Was ist ein Kaltauszug?
Beim Kaltauszug werden Pflanze und Öl über einen längeren Zeitraum miteinander in Kontakt gebracht.
Die Extraktion erfolgt ohne starke Erwärmung.
Diese Methode benötigt wenig Technik, dafür aber mehr Zeit.
Wie lange ein Kaltauszug ziehen sollte, hängt unter anderem von der Pflanze, dem verwendeten Pflanzenteil, dem Öl und dem jeweiligen Rezept ab.
Deshalb gibt es keine universelle Ziehzeit, die für jedes Mazerat gleichermaßen geeignet ist.
Was ist ein Warmauszug?
Beim Warmauszug wird mit kontrollierter, sanfter Wärme gearbeitet.
Die Wärme kann den Auszug beschleunigen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Kräuter einfach in heißem Öl gekocht werden sollten.
Zu starke Hitze kann sowohl das Trägeröl als auch empfindliche Pflanzenbestandteile verändern.
Darum wird bei einem Warmauszug möglichst schonend gearbeitet.
Kaltauszug oder Warmauszug – was ist besser?
Keine Methode ist grundsätzlich besser.
Ein Kaltauszug:
- benötigt wenig Technik
- braucht mehr Zeit
- lässt sich gut beobachten
Ein Warmauszug:
- geht schneller
- benötigt mehr Temperaturkontrolle
- erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit
Welche Methode sinnvoll ist, hängt von Pflanze und Rezept ab.
Muss ein Ölauszug in die Sonne?
Das ist eine der häufigsten Fragen.
Traditionell werden manche Mazerate warm oder teilweise auch sonnig angesetzt.
Doch starke Wärme und Licht können gleichzeitig die Oxidation eines Pflanzenöls beschleunigen.
Deshalb bedeutet „warm“ nicht automatisch „pralle Sonne“.
Die richtige Temperatur und Lichtmenge gehören zur jeweiligen Rezeptur.
Warum regelmäßige Kontrolle wichtig ist
Ein Ölauszug sollte während der Herstellung nicht einfach vergessen werden.
Achte regelmäßig darauf:
- ob sich das Pflanzenmaterial verändert
- ob Feuchtigkeit sichtbar wird
- ob Geruch oder Oberfläche auffällig wirken
- ob der Ansatz insgesamt sauber aussieht
Bei ungewöhnlichen Veränderungen oder Unsicherheit sollte ein selbstgemachter Ansatz nicht weiterverwendet werden.
Filtern und Aufbewahren
Nach dem Ausziehen wird das Pflanzenmaterial sorgfältig entfernt.
Das fertige Kräuteröl sollte anschließend sauber und möglichst lichtgeschützt aufbewahrt werden.
Dunkle Flaschen können zusätzlichen Lichtschutz bieten.
Auch hier gilt:
Kleine Chargen sind gerade am Anfang sinnvoller als große Mengen.
Wie lange ist ein selbstgemachter Ölauszug haltbar?
Eine feste Haltbarkeit lässt sich nicht pauschal angeben.
Sie hängt unter anderem ab von:
- dem verwendeten Öl
- der Frische des Öls
- der Pflanze
- möglicher Restfeuchte
- Hygiene
- Licht
- Wärme
- Sauerstoffkontakt
Deshalb sollte ein selbstgemachter Ölauszug regelmäßig kontrolliert werden.
Verändert sich Geruch, Farbe oder Oberfläche auffällig, sollte er nicht mehr verwendet werden.
Ist Vitamin E ein Konservierungsmittel?
Vitamin E beziehungsweise Tocopherol wird häufig als Antioxidans eingesetzt.
Es kann oxidative Prozesse in Fetten und Ölen verlangsamen.
Es ersetzt jedoch keine antimikrobielle Konservierung bei wasserhaltigen Produkten.
Gerade bei frischem Pflanzenmaterial darf Vitamin E deshalb nicht als einfache Lösung für eingebrachte Feuchtigkeit verstanden werden.
Kräuteröl ist nicht automatisch Speiseöl
Ein kosmetischer Kräuterölauszug ist nicht dasselbe wie ein selbstgemachtes Würz- oder Speiseöl.
Speiseöle mit frischen Kräutern, Knoblauch oder anderen Zutaten unterliegen eigenen Anforderungen an Herstellung und Lagerung.
Die hier beschriebenen Ölauszüge beziehen sich auf die äußerliche kosmetische beziehungsweise haushaltliche Verwendung.
Vom Ölauszug zur Kräutersalbe
Nach dem Filtern kann ein geeigneter Kräuterölauszug zur Grundlage einer einfachen Pflegesalbe werden.
Genau hier verbinden sich beide Themen:
Pflanze → Kräuteröl → Salbe
Und genau diesen kompletten Weg zeigst du jetzt im neuen E-Book.
Du möchtest deinen eigenen Kräuterölauszug herstellen?
Im E-Book „Kräuterauszüge & Salben selbst gemacht“ findest du die praktische Umsetzung Schritt für Schritt.
Darin enthalten sind unter anderem:
- Kalt- und Warmauszug
- Auswahl geeigneter Trägeröle
- genaue Mengen
- konkrete Ziehzeiten
- Filtern und Abfüllen
- Ringelblumenöl
- Kamillenöl
- Schafgarbenöl
- Herstellung einfacher Pflegesalben
- Konsistenzanpassung
- Hygiene, Lagerung und Sicherheit
- zusätzliches Pflanzenwissen
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Fazit
Ein Kräuterölauszug ist mehr als nur „Kräuter in Öl legen“.
Pflanze, Pflanzenteil, Trägeröl, Feuchtigkeit und Herstellungsweise entscheiden gemeinsam darüber, wie ein Ansatz entsteht.
Wenn du diese Grundlagen verstanden hast, kannst du viel besser nachvollziehen, warum unterschiedliche Kräuteröle auch unterschiedlich hergestellt werden – und wie daraus später eine eigene Pflegesalbe entstehen kann.



















