Gundermann erkennen & verwenden – das würzige Wildkraut aus Garten und Wiese

Gundermann erkennen & verwenden – das würzige Wildkraut aus Garten und Wiese

Er wächst unter Hecken, schlängelt sich durch den Rasen und taucht zwischen anderen Pflanzen auf, ohne besonders viel Aufmerksamkeit zu verlangen.

Dabei gehört Gundermann zu den Wildkräutern, bei denen es sich lohnt, einmal genauer hinzusehen.

Denn hinter den kleinen rundlichen Blättern und violetten Blüten steckt ein erstaunlich aromatisches Kraut.

Vielleicht kennst du Gundermann sogar aus deinem eigenen Garten, ohne bisher gewusst zu haben, was dort wächst.

Doch wie erkennt man Gundermann sicher? Ist er essbar? Wie schmeckt er? Welche Pflanzenteile verwendet man – und womit könnte man ihn verwechseln?

Genau das schauen wir uns an.

Gundermann im Ăśberblick

Botanischer Name: Glechoma hederacea
Familie: LippenblĂĽtler (Lamiaceae)
Weitere Namen: Gundelrebe, teilweise auch Erdefeu
Wuchs: mehrjährig und kriechend
BlĂĽten: meist blau bis violett
Verwendete Pflanzenteile: junge Blätter und blühende Triebe
Geschmack: kräftig würzig und aromatisch

Gundermann ist in Deutschland heimisch und gehört botanisch zur Familie der Lippenblütler. Sein natürliches Verbreitungsgebiet reicht von Europa weit nach Asien.

Woran erkenne ich Gundermann?

Eines seiner auffälligsten Merkmale ist seine Wuchsform.

Gundermann bildet lange, kriechende Triebe. Diese wachsen über den Boden und können an den Knoten neue Wurzeln bilden. Dadurch entstehen mit der Zeit ganze Teppiche.

Die Blätter sitzen einander gegenüber am Stängel. Sie sind rundlich bis nierenförmig und besitzen einen gekerbten beziehungsweise rund gezähnten Rand.

Zur BlĂĽtezeit erscheinen in den Blattachseln kleine blau-violette LippenblĂĽten.

Die botanische Beschreibung von Kew nennt ebenfalls den kriechenden, an den Knoten wurzelnden Wuchs, nierenförmige gekerbte Blätter und blaue zweilippige Blüten als typische Merkmale.

Und dann gibt es noch einen weiteren Hinweis:

den Geruch.

Zerreibst du vorsichtig ein Blatt zwischen den Fingern, entwickelt Gundermann einen sehr charakteristischen, kräftig würzigen Duft.

Warum heiĂźt Gundermann auch Gundelrebe?

Vielleicht begegnen dir beim Lesen unterschiedliche Namen.

Gundermann und Gundelrebe bezeichnen gewöhnlich dieselbe Pflanze: Glechoma hederacea.

Auch die englische Bezeichnung Ground Ivy – also ungefähr „Boden-Efeu“ – spielt auf den kriechenden Wuchs an. Mit echtem Efeu ist Gundermann botanisch allerdings nicht eng verwandt.

Der botanische Name ist deshalb wieder einmal hilfreich.

Wenn Glechoma hederacea dabeisteht, weiĂźt du genau, welche Pflanze gemeint ist.

Ist Gundermann essbar?

Gundermann wird traditionell als WĂĽrz- und Wildkraut verwendet.

Sein Geschmack ist allerdings deutlich intensiver als der von Gänseblümchen oder jungen Löwenzahnblättern.

Deshalb ist Gundermann fĂĽr mich keine Pflanze, von der man einfach eine riesige SchĂĽssel Salat zubereitet.

Ein paar fein geschnittene Blätter können bereits reichen, um einem Gericht eine ganz andere Richtung zu geben.

Gerade hier passt der alte Grundsatz:

Wildkräuter müssen nicht in riesigen Mengen verwendet werden.

Manchmal sind sie einfach das Gewürz, das direkt vor unserer Haustür wächst.

Wie schmeckt Gundermann?

Das lässt sich gar nicht mit einem einzigen Wort beschreiben.

Gundermann schmeckt kräftig, würzig und herb und besitzt ein ausgeprägtes Aroma.

Manche Menschen empfinden darin sogar eine leicht minzige oder harzige Note.

Gerade deshalb solltest du ihn zunächst probieren, bevor du eine größere Menge in ein Gericht gibst.

Ein einzelnes junges Blatt reicht für den ersten Geschmackstest völlig aus.

Welche Teile verwendet man?

Für die Wildkräuterküche werden vor allem die jungen Blätter und Triebspitzen verwendet.

Auch blühende Triebe können genutzt werden.

Besonders schön sind natürlich die kleinen violetten Blüten.

Wenn du Gundermann noch nicht kennst, würde ich zunächst mit wenigen jungen Blättern beginnen.

Denn hier gilt tatsächlich:

Weniger ist oft mehr.

Wann sammelt man Gundermann?

Junge Blätter und Triebe können während der Vegetationszeit gesammelt werden.

Besonders interessant ist Gundermann im Frühjahr und während seiner Blütezeit.

Sammle nur gesunde, saubere Pflanzenteile und natĂĽrlich ausschlieĂźlich Pflanzen, die du eindeutig bestimmt hast.

Da Gundermann mehrjährig wächst und sich über seine kriechenden Triebe ausbreitet, kannst du ihn an einem geeigneten Standort häufig über längere Zeit beobachten.

Das ist übrigens eine wunderbare Möglichkeit, eine Wildpflanze wirklich kennenzulernen:

Nicht einmal fotografieren und wieder vergessen – sondern beobachten, wie sie wächst, blüht und sich im Laufe des Jahres verändert.

Wo sollte man Gundermann sammeln?

Hier gelten dieselben Regeln wie bei unseren anderen Wildkräutern.

Meide stark befahrene Straßen, intensiv behandelte Flächen, stark frequentierte Hundewiesen und andere offensichtlich belastete Standorte.

Ideal sind Flächen, deren Nutzung du kennst.

Vielleicht wächst Gundermann sogar in deinem eigenen unbehandelten Garten.

Und wenn er dort einmal angekommen ist, kann er sich ziemlich ĂĽberzeugend ausbreiten.

Warum breitet sich Gundermann so stark aus?

Das liegt an seiner besonderen Wuchsweise.

Seine Triebe wachsen über den Boden und können an ihren Knoten neue Wurzeln bilden. Dadurch kann die Pflanze nach und nach größere Flächen besiedeln.

Was manche Gartenbesitzer nervt, ist für Wildkräuterfreunde ziemlich praktisch:

Hat man Gundermann an einem geeigneten Platz entdeckt, findet man häufig nicht nur drei Blättchen.

Was kann ich aus Gundermann machen?

Jetzt wird es wieder interessant.

Gundermann lässt sich beispielsweise fein dosiert verwenden für:

  • Kräuterbutter
  • Kräuterquark
  • Wildkräuterpesto
  • herzhafte Brotaufstriche
  • Wildkräutersalz
  • Salate in kleinen Mengen
  • Kräutermischungen
  • essbare Dekoration mit den BlĂĽten

Gerade in Kombination mit milderen Kräutern kann sein kräftiges Aroma sehr spannend sein.

Und natürlich können daraus später wieder einzelne Rezepte entstehen.

Gundermann als WĂĽrzkraut

Eigentlich hilft es, Gundermann zunächst weniger als „Salatpflanze“ und mehr als Würzkraut zu betrachten.

Statt eine Handvoll Blätter in den Salat zu werfen, kannst du zunächst ein oder zwei junge Blätter sehr fein schneiden.

Probier sie beispielsweise in Kräuterbutter oder Kräuterquark.

So lernst du den Geschmack kennen, ohne dass Gundermann sofort das komplette Gericht ĂĽbernimmt.

Gundermann im Kräutersalz

Und hier passt er natürlich wunderbar zu einem Thema, das wir auf Grüne Seele – Naturwissen bereits kennen.

Kräutersalz.

Gundermann besitzt genug Eigengeschmack, um einer Wildkräutermischung Charakter zu geben.

Ich würde ihn dabei mit milderen Kräutern kombinieren und nicht zum einzigen Bestandteil machen.

So könnte später beispielsweise ein richtig schönes Wildkräutersalz mit Gundermann entstehen.

Kann man Gundermann trocknen?

Ja, Gundermann kann fĂĽr geeignete Verwendungen getrocknet werden.

Dafür sammelst du saubere, gesunde Pflanzenteile und lässt sie luftig, trocken und vor starker direkter Sonne geschützt vollständig durchtrocknen.

Erst wenn wirklich keine Restfeuchtigkeit mehr vorhanden ist, gehört das Kraut in ein verschließbares Vorratsgefäß.

Und wie immer:

Pflanzenname und Datum aufs Glas.

Spätestens nach dem fünften Glas getrockneter grüner Blätter sehen nämlich erstaunlich viele Kräuter plötzlich verdächtig ähnlich aus.

Gundermann im traditionellen Pflanzenwissen

Gundermann gehört zu den Pflanzen, die über Jahrhunderte in der europäischen Volkskunde und traditionellen Kräuterkunde auftauchen.

Historische Verwendung und moderne medizinische Evidenz sind allerdings zwei verschiedene Dinge.

Überlieferte Anwendungen erzählen uns, welchen Stellenwert eine Pflanze früher hatte. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass eine entsprechende gesundheitliche Wirkung nach heutigen wissenschaftlichen Maßstäben nachgewiesen ist.

Genau diese Trennung finde ich wichtig.

Traditionelles Pflanzenwissen darf bewahrt und erzählt werden.

Es sollte nur nicht heimlich zu einem Heilversprechen werden.

Gundermann erkennen: Nicht nur auf die BlĂĽte schauen

Gerade bei Wildpflanzen ist es keine gute Idee, ausschlieĂźlich nach der BlĂĽtenfarbe zu bestimmen.

Viele Pflanzen blĂĽhen violett.

Beim Gundermann solltest du deshalb immer mehrere Merkmale zusammen betrachten:

Kriechender Wuchs: Die Triebe wachsen über den Boden und können an den Knoten wurzeln.

Blätter: Rundlich bis nierenförmig mit gekerbtem Rand.

Blattstellung: Die Blätter stehen gegenständig am Stängel.

BlĂĽten: Kleine blau-violette, zweilippige BlĂĽten sitzen in den Blattachseln.

Geruch: Zerriebene Blätter besitzen einen auffällig aromatischen Duft.

Erst die Kombination verschiedener Merkmale macht eine Pflanzenbestimmung zuverlässig.

Kann man Gundermann verwechseln?

Wie bei fast jeder Wildpflanze sind Verwechslungen möglich.

Gerade außerhalb der Blütezeit können rundliche Blätter verschiedener niedrig wachsender Pflanzen auf den ersten Blick ähnlich aussehen.

Deshalb solltest du Gundermann nicht nach dem Motto bestimmen:

„Kleine runde Blätter – wird schon passen.“

Schau dir Wuchs, Blattstellung, Blattform, Blattrand, Stängel, Geruch und während der Blüte natürlich auch die Blüten an.

Wenn du dir nicht sicher bist, bleibt die Pflanze stehen.

Das ist beim Wildkräutersammeln keine Niederlage, sondern eine ziemlich gute Regel.

Ist Gundermann fĂĽr jeden geeignet?

Auch bei essbaren Wildkräutern gilt: Essbar bedeutet nicht automatisch, dass jede Person jede beliebige Menge gut verträgt.

Wenn du Gundermann noch nie gegessen hast, beginne mit einer kleinen Menge.

Bei bekannten Allergien – insbesondere gegenüber Pflanzen aus derselben Familie – oder gesundheitlichen Unsicherheiten solltest du entsprechend vorsichtig sein.

FĂĽr gezielte medizinische Anwendungen wĂĽrde ich Gundermann nicht auf Grundlage eines beliebigen Internetrezepts einsetzen.

Häufige Fragen über Gundermann

Ist Gundermann dasselbe wie Gundelrebe?

Ja. Gundermann und Gundelrebe sind gebräuchliche Namen für Glechoma hederacea.

Ist Gundermann Efeu?

Nein. Obwohl im Englischen die Bezeichnung „Ground Ivy“ verwendet wird, gehört Gundermann zur Familie der Lippenblütler und nicht zum Efeu.

Kann man Gundermann roh essen?

Gundermann wird als Würz- und Wildkraut verwendet. Aufgrund seines kräftigen Geschmacks reichen meist kleine Mengen.

Kann man die BlĂĽten verwenden?

Auch die Blüten können beispielsweise als essbare Dekoration eingesetzt werden, sofern die Pflanze sicher bestimmt und von einem geeigneten Standort gesammelt wurde.

Wie schmeckt Gundermann?

Kräftig würzig, herb und aromatisch. Sein Geschmack ist wesentlich ausgeprägter als bei vielen milden Salatkräutern.

Kann man Gundermann trocknen?

Ja. Das Kraut sollte vollständig und schonend getrocknet werden, bevor es trocken und lichtgeschützt gelagert wird.

Warum wächst Gundermann überall in meinem Garten?

Seine kriechenden Triebe können an den Knoten wurzeln. Dadurch kann Gundermann nach und nach größere Flächen besiedeln.

Vielleicht wächst auch dieses Wildkraut längst bei dir

Gänseblümchen kennen wir seit unserer Kindheit.

Löwenzahn erkennen wir spätestens an seiner Pusteblume.

Gundermann dagegen gehört zu diesen Pflanzen, die jahrelang im Garten wachsen können, bevor wir ihnen überhaupt einen Namen geben.

Und genau deshalb mag ich solche Pflanzenporträts.

Denn Naturwissen beginnt nicht unbedingt mit seltenen Heilpflanzen irgendwo tief im Wald.

Manchmal beginnt es damit, sich hinzuknien und eine kleine Pflanze anzusehen, die seit Jahren unter der eigenen Hecke wächst.

Vielleicht entdeckst du beim nächsten Spaziergang plötzlich Gundermann.

Und vielleicht denkst du dann nicht mehr:

„Da wächst irgendein Unkraut.“

Sondern:

„Moment mal. Den kenne ich.“

Und genau da beginnt Grüne Seele – Naturwissen.


Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information ĂĽber Wildpflanzen, Lebensmittel und traditionelles Pflanzenwissen und ersetzt keine medizinische Beratung. Wildpflanzen nur verwenden, wenn sie eindeutig bestimmt wurden. Bei gesundheitlichen Beschwerden, Allergien, Schwangerschaft, Stillzeit, Medikamenteneinnahme oder Fragen zur medizinischen Anwendung bitte fachlichen Rat einholen.

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