Brennnessel jauche

Brennnesseljauche selber machen – Anleitung und Anwendung im Garten

Brennnessel jauche
Brennnessel jauche

Brennnesseljauche selber machen – Anleitung und Anwendung im Garten

Es ist eine dieser Gartenideen, die erstaunlich einfach sind: Brennnesseln, Wasser, ein Eimer und etwas Geduld.

Daraus entsteht nach einigen Tagen eine kräftig riechende Pflanzenjauche, die verdünnt als Flüssigdünger im Garten verwendet werden kann.

Brennnesseljauche selber zu machen ist nicht kompliziert: Du setzt frische Brennnesseln mit Wasser an, lässt die Mischung etwa 10 bis 14 Tage vergären und verdünnst die fertige Jauche vor dem Gießen mit Wasser.

Und ja: Sie riecht wirklich.

Aber dazu kommen wir noch.

Was ist Brennnesseljauche eigentlich?

Brennnesseljauche entsteht, wenn Brennnesseln über mehrere Tage in Wasser vergären.

Während dieser Zeit wird das Pflanzenmaterial zunehmend zersetzt und Bestandteile gehen in die Flüssigkeit über. Die fertige Pflanzenjauche wird anschließend nicht pur verwendet, sondern mit Wasser verdünnt.

Im Garten dient sie vor allem als selbst hergestellter Flüssigdünger.

Die Brennnessel eignet sich dafür unter anderem aufgrund ihres Stickstoffgehalts. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen gibt für die Trockenmasse der Brennnessel einen Stickstoffgehalt von etwa zwei bis vier Prozent an.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede selbst angesetzte Jauche exakt dieselbe Nährstoffkonzentration besitzt. Ausgangsmaterial, Wassermenge, Entwicklungsstadium der Pflanzen und Gärprozess können variieren.

Brennnesseljauche ist deshalb kein präzise zusammengesetzter Dünger mit garantierter Nährstoffdeklaration.

Was braucht man für Brennnesseljauche?

Für einen einfachen Ansatz brauchst du:

  • 750 g bis 1 kg frische Brennnesseln
  • 10 Liter Wasser
  • einen ausreichend großen Kunststoff-, Holz- oder geeigneten anderen nichtmetallischen Behälter
  • einen Stock oder ähnlichen Gegenstand zum Umrühren
  • eine lockere Abdeckung
  • Handschuhe
  • optional etwas Gesteinsmehl gegen den Geruch

Als Wasser eignet sich Regenwasser gut. Alternativ kann auch abgestandenes Leitungswasser verwendet werden.

Der Behälter sollte größer sein als die eingefüllte Flüssigkeitsmenge, denn während der Gärung kann die Mischung schäumen.

Welche Brennnesseln eignen sich?

Du kannst frische Brennnesseln verwenden und sie vor dem Ansetzen etwas zerkleinern.

Am praktischsten sind Pflanzen, die noch keine reifen Samen tragen. Dadurch vermeidest du, Samen unnötig mit dem Pflanzenmaterial im Garten zu verteilen.

Du musst dafür übrigens keinen wilden Brennnesselbestand leer räumen.

Wenn Brennnesseln ohnehin im eigenen Garten wachsen oder zurückgeschnitten werden, lässt sich dieses Pflanzenmaterial wunderbar weiterverwenden.

Das ist für mich einer der schönsten Aspekte einer Pflanzenjauche: Aus etwas, das beim Gärtnern ohnehin anfällt, entsteht ein neuer Bestandteil des Gartenkreislaufs.

Brennnesseljauche ansetzen: Schritt für Schritt

1. Brennnesseln ernten

Zieh Handschuhe an und schneide die benötigte Menge Brennnesseln ab.

Kontrolliere das Pflanzenmaterial und entferne unerwünschte Fremdpflanzen.

2. Brennnesseln zerkleinern

Schneide die Brennnesseln grob klein.

Sie müssen nicht fein gehackt werden. Kleinere Pflanzenteile lassen sich jedoch gut mit Wasser bedecken und werden während des Ansatzes leichter umgesetzt.

3. In den Behälter geben

Gib ungefähr 750 Gramm bis 1 Kilogramm frische Brennnesseln auf 10 Liter Wasser in deinen Behälter.

Verwende keinen zu kleinen Eimer. Etwas Platz nach oben ist sinnvoll, weil die Mischung während der Gärung schäumen kann.

4. Wasser hinzufügen

Gieße die Brennnesseln mit etwa zehn Litern Wasser auf.

Das Pflanzenmaterial sollte möglichst gut mit Wasser in Kontakt kommen.

5. Locker abdecken

Decke den Behälter so ab, dass keine Tiere hineinfallen und grober Schmutz fernbleibt.

Nicht luftdicht verschließen.

Während der Gärung entstehen Gase, die entweichen können müssen.

6. Regelmäßig umrühren

Rühre den Ansatz ein- bis zweimal täglich um.

Mit zunehmender Gärung beginnt die Flüssigkeit zu schäumen und entwickelt ihren charakteristischen Geruch.

7. Etwa 10 bis 14 Tage warten

Wie schnell die Jauche fertig wird, hängt auch von der Temperatur ab.

Als praktisches Zeichen gilt: Wenn die starke Schaumbildung weitgehend aufgehört hat und die Flüssigkeit dunkel geworden ist, ist der Gärprozess weit fortgeschritten.

Dann kannst du die festen Pflanzenreste absieben.

Warum stinkt Brennnesseljauche so?

Wer zum ersten Mal einen Eimer Brennnesseljauche öffnet, könnte kurz an seiner Gartenidee zweifeln.

Der intensive Geruch entsteht während des mikrobiellen Abbaus des Pflanzenmaterials.

Deshalb solltest du den Behälter möglichst nicht direkt neben Terrasse, Sitzplatz oder offenem Küchenfenster aufstellen.

Etwas Gesteinsmehl kann helfen, den Geruch zu mindern.

Ganz geruchlos wird eine vergorene Pflanzenjauche dadurch allerdings nicht.

Vielleicht ist das auch der Moment, in dem wir akzeptieren müssen: Nicht alles im Naturgarten riecht nach Lavendel. 😉

Wann ist Brennnesseljauche fertig?

Orientiere dich nicht ausschließlich an einer festen Zahl von Tagen.

Temperatur und Bedingungen beeinflussen den Verlauf der Gärung.

Typische Hinweise auf eine weitgehend fertige Jauche sind:

  • die starke Schaumbildung lässt nach
  • die Flüssigkeit ist dunkel
  • das Pflanzenmaterial ist deutlich zersetzt

Unter üblichen sommerlichen Bedingungen werden häufig etwa 10 bis 14 Tage angegeben.

Anschließend kannst du die festen Bestandteile absieben.

Sie müssen nicht im Müll landen: Das Pflanzenmaterial kann beispielsweise auf den Kompost gegeben oder – sofern es dafür geeignet ist – als Mulchmaterial verwendet werden.

Brennnesseljauche verdünnen: Wie viel Wasser kommt dazu?

Die fertige Jauche sollte nicht einfach unverdünnt an Pflanzen gegossen werden.

Für etablierte Pflanzen wird häufig eine Verdünnung von 1 : 10 empfohlen.

Das bedeutet:

1 Teil Brennnesseljauche + 10 Teile Wasser.

Für empfindlichere Jungpflanzen wird eine stärkere Verdünnung von etwa 1 : 20 empfohlen.

Ein Beispiel:

Für eine 10-Liter-Gießkanne kannst du ungefähr 900 ml Jauche einfüllen und anschließend mit Wasser auf etwa zehn Liter auffüllen, wenn du ungefähr im Bereich 1 : 10 bleiben möchtest.

Es geht im Hobbygarten nicht um Milliliterperfektion – wohl aber darum, die konzentrierte Jauche nicht einfach pur auszubringen.

Welche Pflanzen kann man mit Brennnesseljauche düngen?

Aufgrund ihres Stickstoffangebots passt Brennnesseljauche besonders zu Pflanzen mit höherem Nährstoffbedarf während der Wachstumsphase.

Typische Beispiele sind:

  • Tomaten
  • Kürbis
  • verschiedene Kohlarten
  • Zucchini
  • andere stärker zehrende Gemüsearten

Dabei gilt trotzdem: Mehr Dünger bedeutet nicht automatisch mehr Ernte.

Auch organische oder selbst gemachte Dünger können Pflanzen und Boden mit Nährstoffen versorgen, die möglicherweise gar nicht benötigt werden.

Boden, Kultur und Wachstumsphase entscheiden mit darüber, ob eine zusätzliche Düngung sinnvoll ist.

Welche Pflanzen sollte man nicht ständig mit Brennnesseljauche düngen?

Nicht jede Gartenpflanze braucht eine stickstoffbetonte Zusatzdüngung.

Für schwach zehrende Pflanzen oder Kulturen mit geringem Stickstoffbedarf ist regelmäßige Brennnesseljauche deshalb nicht automatisch sinnvoll.

Auch bei Jungpflanzen sollte zurückhaltender gearbeitet und stärker verdünnt werden.

Bei Erbsen, Möhren, Knoblauch und Zwiebeln rät beispielsweise der NDR von einer solchen stickstoffreichen Düngung ab.

Wichtiger als eine starre Liste ist jedoch der Grundgedanke:

Dünge eine Pflanze nach ihrem Bedarf – nicht einfach deshalb, weil gerade ein Eimer Brennnesseljauche vorhanden ist.

Wie oft kann man Brennnesseljauche verwenden?

Für stark zehrende, etablierte Pflanzen wird während der Wachstumsphase teilweise eine wöchentliche Anwendung empfohlen.

Das ist jedoch kein Muss.

Wie häufig eine Düngung sinnvoll ist, hängt unter anderem von Boden, Kultur, Entwicklungsstadium und bisheriger Nährstoffversorgung ab.

Gerade in bereits gut versorgten Gartenböden ist zusätzliche Düngung nicht automatisch notwendig.

Deshalb würde ich Brennnesseljauche eher als eine Möglichkeit der Nährstoffversorgung betrachten – nicht als wöchentliches Pflichtprogramm für den gesamten Garten.

Brennnesseljauche bei Tomaten

Tomaten gehören zu den Kulturen mit einem vergleichsweise hohen Nährstoffbedarf und werden deshalb häufig als klassische Kandidaten für Brennnesseljauche genannt.

Die verdünnte Jauche wird dabei im Wurzelbereich gegossen.

Auch hier gilt: Sie ersetzt nicht das Beobachten der Pflanze und des Bodens.

Besonders im weiteren Verlauf der Fruchtentwicklung spielt neben Stickstoff auch die Versorgung mit anderen Nährstoffen eine Rolle. Ein selbst gemachter Brennnesselansatz ist deshalb nicht automatisch ein vollständig ausgewogener Tomatendünger für jede Situation.

Brennnesseljauche gegen Blattläuse – funktioniert das?

Hier lohnt sich eine wichtige Unterscheidung.

Vergorene Brennnesseljauche und ein kurz angesetzter Brennnesselauszug sind nicht dasselbe.

Brennnesseljauche steht mehrere Tage bis Wochen und wird vor allem als Flüssigdünger verwendet.

Ein Brennnessel-Kaltauszug beziehungsweise eine kurz angesetzte Brühe wird dagegen nur deutlich kürzer angesetzt und traditionell beziehungsweise im Gartenbau zur Pflanzenstärkung und teilweise gegen Schädlinge eingesetzt.

Deshalb sollten wir nicht einfach die Behauptung übernehmen:

„Brennnesseljauche vernichtet Blattläuse.“

Wer einen Schädlingsbefall behandeln möchte, sollte außerdem zuerst feststellen, um welchen Schädling es tatsächlich geht und ob überhaupt eine Bekämpfung notwendig ist.

Jauche, Brühe und Kaltauszug sind nicht dasselbe

Diese Begriffe werden im Internet häufig durcheinandergeworfen.

Pflanzenjauche

Pflanzenmaterial steht längere Zeit in Wasser und vergärt. Die fertige Flüssigkeit wird vor allem verdünnt als Flüssigdünger eingesetzt.

Kurzer Brennnesselauszug

Brennnesseln bleiben nur kurze Zeit im Wasser. Es findet keine vollständige Vergärung wie bei einer Jauche statt.

Pflanzenbrühe

Bei manchen Pflanzenbrühen wird Pflanzenmaterial eingeweicht und anschließend erhitzt beziehungsweise gekocht.

Wenn du ein Rezept verwendest, lohnt es sich deshalb immer zu schauen, welches Verfahren tatsächlich gemeint ist.

Kann Brennnesseljauche Pflanzen schaden?

Auch ein selbst gemachter Naturdünger sollte nicht nach dem Prinzip „viel hilft viel“ verwendet werden.

Eine zu konzentrierte oder unnötig häufige Stickstoffzufuhr ist nicht automatisch gut für Pflanzen.

Deshalb:

  • fertige Jauche verdünnen
  • vorzugsweise im Wurzelbereich gießen
  • Bedarf der jeweiligen Pflanze berücksichtigen
  • bei Jungpflanzen stärker verdünnen
  • nicht jede Pflanze routinemäßig damit versorgen

„Natürlich“ bedeutet beim Düngen nicht automatisch „unbegrenzt verwendbar“.

Brennnesseljauche auf dem Balkon – geht das?

Grundsätzlich lässt sich eine kleine Pflanzenjauche auch auf einem Balkon ansetzen.

Praktisch gibt es allerdings einen ziemlich überzeugenden Einwand:

den Geruch.

In einem dicht bebauten Wohnumfeld würde ich deshalb gut überlegen, ob ein gärender Brennnesseleimer wirklich die beste Methode ist.

Ein kleiner Garten mit einem geeigneten Platz abseits von Sitzbereichen ist dafür wesentlich unkomplizierter.

Manchmal ist die naturverbundenste Lösung eben auch die nachbarschaftsfreundliche.

Brennnesseln im Garten weiterverwenden

Vom Frühjahr bis zum Herbst kann uns dieselbe Pflanze ganz unterschiedlich begegnen.

Junge Blätter können in der Küche verwendet werden. Später entwickeln sich die Samen. Andere Pflanzen landen beim Rückschnitt vielleicht im Jaucheeimer. Und selbst die langen Stängel besitzen eine spannende Geschichte als Faserrohstoff.

Die Brennnessel ist damit ein schönes Beispiel dafür, dass eine Pflanze nicht nur „Unkraut“ oder „Heilkraut“ sein muss.

Sie kann Nahrungspflanze, Gartenhelfer, Lebensraum und historischer Rohstoff zugleich sein.

Häufige Fragen zur Brennnesseljauche

Wie lange muss Brennnesseljauche stehen?

Unter sommerlichen Bedingungen werden häufig etwa 10 bis 14 Tage angegeben. Entscheidend ist aber auch der Verlauf der Gärung. Wenn die starke Schaumbildung nachlässt und das Pflanzenmaterial weitgehend zersetzt ist, ist die Jauche in der Regel gebrauchsfertig.

Wie verdünne ich Brennnesseljauche?

Für etablierte Pflanzen wird häufig eine Verdünnung von etwa 1 : 10 empfohlen. Bei Jungpflanzen kann eine stärkere Verdünnung von etwa 1 : 20 sinnvoll sein.

Muss ich Brennnesseljauche jeden Tag umrühren?

Während der Gärung wird regelmäßiges Umrühren empfohlen. Ein- bis zweimal täglich ist eine verbreitete Empfehlung.

Warum darf der Behälter nicht luftdicht geschlossen werden?

Während der Gärung entstehen Gase. Diese müssen aus dem Behälter entweichen können. Eine Abdeckung sollte deshalb schützen, aber nicht luftdicht abschließen.

Kann ich Brennnesseljauche für Tomaten verwenden?

Tomaten haben einen hohen Nährstoffbedarf und gehören zu den Pflanzen, für die verdünnte Brennnesseljauche häufig eingesetzt wird. Sie sollte im Wurzelbereich ausgebracht werden und eine bedarfsgerechte Düngung nicht ersetzen.

Hilft Brennnesseljauche gegen Blattläuse?

Vergorene Brennnesseljauche wird in erster Linie als Flüssigdünger verwendet. Davon zu unterscheiden sind kurz angesetzte Brennnesselauszüge, die im Garten traditionell zur Pflanzenstärkung beziehungsweise gegen bestimmte Schädlinge eingesetzt werden. Die beiden Verfahren sollten nicht miteinander verwechselt werden.

Kann man Brennnesseljauche unverdünnt verwenden?

Für die normale Düngung wird die fertige Jauche verdünnt. Üblich sind beispielsweise 1 : 10 für etablierte Pflanzen und eine stärkere Verdünnung bei empfindlicheren Jungpflanzen.

Fazit: Ein einfacher Gartenkreislauf mit Brennnesseln

Brennnesseljauche braucht weder Spezialausrüstung noch komplizierte Zutaten.

Brennnesseln, Wasser und Zeit reichen für einen selbst gemachten Flüssigdünger.

Gerade wenn die Pflanzen ohnehin im eigenen Garten wachsen oder zurückgeschnitten werden, entsteht daraus ein schöner kleiner Kreislauf: Pflanzenmaterial wird nicht einfach entsorgt, sondern weiterverwendet und später dem Garten zurückgegeben.

Dabei sollten wir auch bei einem Naturdünger maßvoll bleiben.

Richtig verdünnen, gezielt düngen und beobachten, was die jeweilige Pflanze tatsächlich braucht.

Mehr braucht es meistens nicht.

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