Lavendel und Insekten

Lavendel & Insekten – warum Hummeln, Bienen & Co. ihn lieben

Lavendel und Insekten
Lavendel und Insekten

Lavendel & Insekten – warum Hummeln, Bienen & Co. ihn lieben

Wenn der Lavendel im Sommer voller violetter Blüten steht, dauert es oft nicht lange, bis die ersten Besucher auftauchen.

Eine Hummel landet auf einem Blütenstand, arbeitet sich von Blüte zu Blüte und verschwindet beinahe zwischen den violetten Ähren. Wenig später kommt die nächste.

Wer Lavendel im Garten oder auf dem Balkon hat, kann schnell den Eindruck bekommen:

Hummeln lieben Lavendel.

Und diese Beobachtung hat durchaus eine Grundlage. Lavendel stellt Nektar und Pollen bereit und wird von unterschiedlichen Bestäubern besucht – darunter Hummeln, Honigbienen, andere Wildbienen und Schmetterlinge.

Aber warum ist Lavendel für diese kleinen Besucher so interessant? Welcher Lavendel wird besonders gern angeflogen? Und stimmt es eigentlich, dass aus Lavendel sogar Honig entstehen kann?

Schauen wir einmal genauer hin.

Ist Lavendel gut für Bienen und Hummeln?

Ja. Blühender Lavendel kann eine wertvolle Nahrungsquelle für verschiedene Bestäuber sein.

Seine Blüten stellen Nektar und Pollen zur Verfügung.

Nektar liefert den Blütenbesuchern vor allem Zucker und damit Energie. Pollen enthält unter anderem Proteine und weitere Nährstoffe und spielt insbesondere für die Versorgung der Brut vieler Bienenarten eine wichtige Rolle.

Die Royal Horticultural Society (RHS) führt die Gattung Lavandula in ihrer wissenschaftlich überprüften Auswahl „Plants for Pollinators“.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Lavendelart und jede Sorte von allen Insekten gleichermaßen besucht wird.

Und genau hier wird es interessant.

Warum sind so viele Hummeln am Lavendel?

Vielleicht kennst du diesen Anblick aus deinem eigenen Garten:

Der Lavendel blüht – und ständig summt irgendwo eine Hummel zwischen den Blüten.

Das liegt unter anderem daran, dass ein Lavendel-Blütenstand aus vielen kleinen Einzelblüten besteht.

Eine Hummel kann sich dadurch von Blüte zu Blüte bewegen und an einer Pflanze zahlreiche kleine Nektarquellen aufsuchen.

Untersuchungen und Gartenbeobachtungen zeigen, dass Hummeln tatsächlich zu den häufigen Besuchern von Lavendel gehören.

Aber sie sind nicht allein.

Auch Honigbienen, andere Wildbienen, Schmetterlinge und weitere blütenbesuchende Insekten können Lavendel nutzen.

Wenn du einen größeren Lavendel besitzt, lohnt es sich deshalb, im Sommer einfach einmal einige Minuten davor sitzen zu bleiben.

Vielleicht entdeckst du viel mehr verschiedene Besucher, als du zunächst vermutet hast.

Sind Hummeln eigentlich Bienen?

Ja.

Im Alltag sprechen wir häufig von „Bienen und Hummeln“. Zoologisch gehören Hummeln jedoch selbst zu den Bienen.

Hummeln bilden die Gattung Bombus innerhalb der Familie der Echten Bienen.

Auch die bekannte Westliche Honigbiene (Apis mellifera) gehört zu dieser Familie.

Der Begriff „Biene“ umfasst also weit mehr als die Honigbiene aus dem Bienenstock.

Neben Honigbienen und Hummeln gibt es zahlreiche weitere Wildbienenarten mit ganz unterschiedlichen Lebensweisen.

Wenn wir Lavendel als bienenfreundliche Pflanze bezeichnen, können deshalb sehr unterschiedliche Bienen gemeint sein.

Welche Insekten besuchen Lavendel?

Welche Tiere du an deinem Lavendel beobachten kannst, hängt von deinem Standort, der Umgebung, der Jahreszeit sowie der Lavendelart und -sorte ab.

Zu den möglichen Besuchern gehören unter anderem:

  • Hummeln
  • Honigbienen
  • andere Wildbienen
  • Schmetterlinge
  • verschiedene tagaktive Nachtfalter
  • weitere blütenbesuchende Insekten

Nicht jeder Besucher kommt gleichzeitig und nicht jeder Garten beherbergt dieselben Arten.

Gerade das macht die Beobachtung spannend.

Aus dem vermeintlichen „Da sitzt eine Biene“ wird mit der Zeit vielleicht:

Diese sieht heute ganz anders aus als die Hummel von gestern.

Naturwissen beginnt oft mit solchen kleinen Beobachtungen.

Welcher Lavendel ist besonders beliebt bei Bienen?

Nicht jeder Lavendel wird zwangsläufig gleich stark besucht.

Interessante Hinweise liefert unter anderem eine Untersuchung der University of Sussex, bei der verschiedene verbreitete Lavendelsorten miteinander verglichen wurden.

Dabei wurden bestimmte Sorten von Lavandin (Lavandula × intermedia) stärker von Insekten besucht als die untersuchten Sorten des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia).

Auch zwischen einzelnen Sorten gab es Unterschiede.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Echter Lavendel für Bestäuber uninteressant wäre.

Auch Lavandula angustifolia wird von Bienen und anderen Bestäubern besucht und von der RHS als bestäuberfreundlich geführt.

Wenn du neuen Lavendel pflanzen möchtest, solltest du deshalb nicht nur danach entscheiden, welche Sorte möglichst viele Insekten anzieht.

Auch Standort, Platzbedarf und Winterhärte müssen zu deinem Garten oder Balkon passen.

Lavendel für Bienen pflanzen – der Standort zählt

Damit dein Lavendel reich blühen kann, braucht er passende Bedingungen.

Lavendel bevorzugt einen sonnigen Standort und gut durchlässigen Boden.

Dauerhaft nasse, schwere Erde bekommt ihm dagegen schlecht.

Im Topf solltest du besonders darauf achten, dass überschüssiges Wasser zuverlässig ablaufen kann.

Denn nur ein Lavendel, der sich an seinem Standort wohlfühlt und entsprechend blüht, kann den kleinen Besuchern auch reichlich Blüten anbieten.

Wenn du deinen Lavendel im Kübel hältst, findest du alle wichtigen Pflegehinweise in unserem Beitrag „Lavendel im Topf – Standort, Pflege und Überwintern“.

Ist ein Lavendeltopf genug für einen insektenfreundlichen Balkon?

Ein Lavendeltopf ist ein schöner Anfang.

Noch besser wird es allerdings, wenn nicht nur eine einzige Pflanzenart auf deinem Balkon blüht.

Lavendel besitzt eine begrenzte Blütezeit.

Davor und danach benötigen Bestäuber ebenfalls geeignete Nahrungsquellen.

Versuche deshalb, verschiedene Pflanzen so zu kombinieren, dass möglichst über einen längeren Zeitraum etwas blüht.

Zu Lavendel können an sonnigen Standorten beispielsweise passen:

  • Thymian
  • Oregano beziehungsweise Dost
  • geeignete Salbeiarten
  • Katzenminze
  • weitere bestäuberfreundliche Blütenpflanzen

Dabei müssen nicht alle Pflanzen gemeinsam in einem Kübel wachsen.

Mehrere einzelne Töpfe haben sogar einen Vorteil:

Du kannst jede Pflanze entsprechend ihrer eigenen Bedürfnisse pflegen.

Soll ich meinen Lavendel für die Insekten nicht mehr ernten?

Doch.

Du musst dich nicht zwischen deiner Lavendelernte und den Hummeln entscheiden.

Wenn du Lavendel trocknen oder für selbst gemachte Lavendelsäckchen verwenden möchtest, kannst du einfach nur einen Teil der Blütenstände ernten.

Andere lässt du weiterblühen.

Das ist gleichzeitig eine schöne Form des bewussten Erntens.

Nicht:

Wie viel kann ich abschneiden?

Sondern:

Wie viel brauche ich eigentlich?

Vielleicht reichen für deine Zwecke einige schöne Stängel vollkommen aus.

Der Rest darf noch eine Weile summen.

Wann sollte Lavendel für Insekten stehen bleiben?

Wenn dein Lavendel gerade reich blüht und intensiv besucht wird, kannst du einen Teil der Blüten bewusst stehen lassen.

Für das Trocknen möchtest du Lavendel dagegen zu einem geeigneten Zeitpunkt ernten, bevor sämtliche Blüten vollständig verblüht sind.

Du kannst deshalb beispielsweise abschnittsweise vorgehen.

Einige Blütenstängel werden geerntet.

Andere bleiben an der Pflanze.

So musst du weder auf deine Lavendelernte verzichten noch die gesamte Blüte auf einmal entfernen.

Mehr zum richtigen Erntezeitpunkt findest du in unserem Beitrag „Lavendel ernten – wann ist der richtige Zeitpunkt?“.

Was passiert eigentlich, wenn eine Biene Lavendel besucht?

Eine Biene fliegt die Lavendelblüte nicht an, weil sie unseren Garten hübsch findet.

Sie sucht dort Nahrung.

Je nach Bienenart und Situation sammelt sie Nektar und/oder Pollen.

Beim Besuch einer Blüte können Pollenkörner am Körper des Insekts haften bleiben. Fliegt es anschließend zu weiteren Blüten, kann Pollen übertragen werden.

So tragen blütenbesuchende Insekten zur Bestäubung vieler Pflanzen bei.

Bei Honigbienen passiert anschließend noch etwas anderes:

Gesammelter Nektar wird zurück in den Bienenstock gebracht und dort weiterverarbeitet.

Und damit kommen wir zu einer besonders schönen Verbindung zwischen Lavendel und Bienen.

Kann aus Lavendel wirklich Honig entstehen?

Ja.

Echten Lavendelhonig gibt es tatsächlich.

Dabei werden nicht einfach Lavendelblüten in fertigen Honig gegeben.

Echter Lavendelhonig entsteht durch die Arbeit der Honigbienen.

Die Bienen sammeln Nektar an Lavendelblüten, bringen ihn in ihren Stock und verarbeiten ihn dort zu Honig.

Lavendelhonig ist besonders mit Regionen verbunden, in denen Lavendel beziehungsweise Lavandin großflächig blüht.

Das wohl bekannteste Bild dazu stammt aus Südfrankreich:

weite violette Lavendelfelder, dazwischen Bienenstöcke – und unzählige Honigbienen, die während der Blüte Nektar sammeln.

Lavendelhonig und Honig mit Lavendel sind nicht dasselbe

Diese Unterscheidung ist wichtig.

Echter Lavendelhonig

Beim echten Lavendelhonig stammt der Nektar, den die Honigbienen sammeln, wesentlich aus einer entsprechenden Lavendeltracht.

Die Bienen erzeugen daraus den Honig.

Honig mit Lavendel

Daneben gibt es Honig, der nachträglich mit Lavendel aromatisiert wird.

Dabei wird bereits fertiger Honig beispielsweise mit geeignetem Lavendel kombiniert.

Das kann ebenfalls interessant schmecken.

Es ist jedoch nicht dasselbe wie ein Sortenhonig, dessen botanische Herkunft auf Lavendeltracht zurückgeht.

Deshalb sollten beide Produkte nicht miteinander verwechselt werden.

Kann ich mit meinem Lavendel selbst Lavendelhonig herstellen?

Nicht im eigentlichen Sinne.

Ein paar Lavendelpflanzen im Garten oder auf dem Balkon reichen nicht aus, um gezielt echten Lavendelhonig zu erzeugen.

Honigbienen sammeln Nahrung über ein größeres Gebiet und besuchen dort viele verschiedene Pflanzen.

Damit ein Honig als Sortenhonig einer bestimmten botanischen Herkunft eingeordnet werden kann, ist deutlich mehr notwendig als ein einzelner Lavendelstrauch neben einem Bienenstock.

Was du zu Hause grundsätzlich herstellen kannst, ist dagegen Honig, der mit für Lebensmittel geeignetem Lavendel aromatisiert wird.

Das verdient allerdings einen eigenen Beitrag.

Denn dabei sollten wir genauer über geeigneten Lavendel, Lebensmittelhygiene und eine sichere Verarbeitung sprechen.

Nicht jeden Lavendel aus dem Garten essen

Hier ist eine wichtige Grenze zwischen Gartenpflanze und Küchenkraut.

Nur weil auf einem Pflanzenschild „Lavendel“ steht, bedeutet das nicht automatisch, dass die Pflanze für die Verwendung in Lebensmitteln gedacht ist.

Wenn du Lavendel kulinarisch verwenden möchtest, solltest du die Art sicher kennen und Pflanzenmaterial verwenden, das ausdrücklich für den Verzehr geeignet beziehungsweise entsprechend angebaut wurde.

Bei unbekannter Herkunft, möglicher Behandlung mit ungeeigneten Pflanzenschutzmitteln oder unsicherer Pflanzenbestimmung solltest du die Blüten nicht essen.

Für Hummeln darf die Pflanze natürlich trotzdem blühen.

Eine kleine Wasserstelle für deine Lavendelbesucher

Neben Blüten kannst du Insekten auf einem Balkon oder im Garten auch Wasser anbieten.

Dafür reicht eine flache Schale.

Lege einige saubere Steine hinein, die teilweise aus dem Wasser herausragen. Sie bieten kleine Landeflächen.

Wichtig ist, das Wasser regelmäßig zu wechseln und die Schale sauber zu halten.

Eine solche Wasserstelle ersetzt keinen natürlichen Lebensraum.

Sie kann an heißen Tagen aber eine kleine zusätzliche Ressource sein.

Pflanzenschutzmittel nicht vorschnell einsetzen

Wenn dein Lavendel von Blattläusen oder anderen vermeintlichen Schädlingen besucht wird, solltest du nicht sofort irgendein Mittel aufsprühen.

Auch Produkte, die als „natürlich“ beworben werden, sind nicht automatisch ungefährlich für sämtliche Insekten.

Bestimme deshalb zunächst, was tatsächlich an deiner Pflanze sitzt und ob überhaupt eingegriffen werden muss.

Gerade in einem lebendigen Garten tauchen oft auch natürliche Gegenspieler auf.

Ein Garten muss nicht vollkommen frei von angeknabberten Blättern sein, um gesund zu sein.

Mach aus deinem Lavendel einen kleinen Beobachtungsplatz

Wenn dein Lavendel im Sommer blüht, probiere einmal etwas aus.

Setz dich fünf Minuten daneben.

Nicht zum Schneiden.

Nicht zum Gießen.

Nur zum Beobachten.

Wie viele verschiedene Besucher kommen?

Ist eine große Hummel dabei?

Eine kleinere Biene?

Vielleicht ein Schmetterling?

Wie bewegen sie sich zwischen den Blüten?

Welche Blüten werden besonders häufig angeflogen?

Du musst keine einzige Art bestimmen können.

Schau einfach hin.

Vielleicht bemerkst du nach einigen Minuten, dass dort viel mehr passiert, als du bisher gesehen hast.

Lavendel, Hummeln und ein kleiner Moment Achtsamkeit

Vielleicht ist genau das eine der schönsten Seiten eines naturnahen Gartens.

Wir müssen Natur nicht immer erst irgendwo suchen.

Manchmal steht sie in einem Terrakottatopf direkt neben unserem Stuhl.

Eine Hummel landet im Lavendel.

Du hörst ihr Summen.

Für einige Sekunden verschwindet sie zwischen den Blüten.

Dann fliegt sie weiter.

Solche Momente müssen wir nicht fotografieren.

Wir müssen auch nichts daraus machen.

Vielleicht reicht es, dass wir sie überhaupt bemerkt haben.

Häufige Fragen zu Lavendel, Bienen und Hummeln

Ist Lavendel bienenfreundlich?

Ja. Lavendel stellt Nektar und Pollen bereit und wird von verschiedenen bestäubenden Insekten besucht. Die Royal Horticultural Society führt die Gattung Lavandula in ihrer „Plants for Pollinators“-Auswahl.

Warum mögen Hummeln Lavendel?

Lavendel bietet während seiner Blüte Nektar und Pollen. Die zahlreichen kleinen Einzelblüten können nacheinander besucht werden. Hummeln gehören zu den häufigen Besuchern blühender Lavendelpflanzen.

Welcher Lavendel ist besonders gut für Bienen?

Sowohl Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) als auch Lavandin (Lavandula × intermedia) werden von Bestäubern besucht. Untersuchungen zeigen jedoch, dass sich die Attraktivität verschiedener Arten und Sorten unterscheiden kann.

Kommen auch Schmetterlinge an Lavendel?

Ja. Neben Bienen und Hummeln können auch Schmetterlinge und weitere blütenbesuchende Insekten Lavendel besuchen.

Gibt es echten Lavendelhonig?

Ja. Echter Lavendelhonig entsteht, wenn Honigbienen Nektar aus einer entsprechenden Lavendeltracht sammeln und daraus Honig erzeugen. Er ist von nachträglich mit Lavendel aromatisiertem Honig zu unterscheiden.

Kann ich meinen Lavendel ernten und trotzdem etwas für Bienen stehen lassen?

Ja. Du kannst nur einen Teil der Blütenstängel ernten und andere weiterblühen lassen. So kannst du Lavendel nutzen und gleichzeitig weiterhin Blüten für Bestäuber anbieten.

Fazit: Manchmal lohnt es sich, den Lavendel einfach blühen zu lassen

Wir pflanzen Lavendel wegen seiner Farbe.

Wegen seines Duftes.

Vielleicht möchten wir ihn trocknen, einen kleinen Strauß binden oder Lavendelsäckchen daraus machen.

Doch während wir überlegen, was wir mit den Blüten anfangen könnten, ist längst jemand anderes da.

Eine Hummel sitzt mitten darin.

Eine Honigbiene landet daneben.

Vielleicht flattert ein Schmetterling vorbei.

Und plötzlich ist der Lavendel nicht mehr nur eine schöne Pflanze.

Er ist ein kleiner Treffpunkt.

Vielleicht ist das ein guter Grund, beim nächsten Ernten ein paar Blütenstände mehr stehen zu lassen.

Nicht weil wir auf unseren Lavendel verzichten müssen.

Sondern weil wir ihn ein bisschen teilen können.

 

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