Weihrauchsorten im Überblick

Boswellia-Baum in trockener, felsiger Landschaft, natürlich und botanisch
Boswellia-Baum in trockener, felsiger Landschaft, natürlich und botanisch

Weihrauchsorten im Überblick: Welcher Boswellia-Baum steckt hinter welchem Weihrauch?

Wer Weihrauch kauft, entdeckt schnell, dass Weihrauch offenbar nicht gleich Weihrauch ist.

Auf den Verpackungen stehen Namen wie Oman-Weihrauch, indischer Weihrauch, äthiopischer Weihrauch, Maydi oder Boswellia carteri. Manche Harzstücke sind fast cremeweiß, andere goldgelb, bernsteinfarben oder dunkelbraun.

Doch was steckt eigentlich hinter diesen Bezeichnungen?

Weihrauch ist keine einzelne Pflanze und auch keine bestimmte Sorte Harz. Als Weihrauch bezeichnet man das aromatische Gummiharz verschiedener Boswellia-Arten aus der Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae).

Und genau diese Bäume schauen wir uns heute einmal genauer an.

Nahaufnahme eines Boswellia-Stamms mit natürlich austretendem Harz
Nahaufnahme eines Boswellia-Stamms mit natürlich austretendem Harz

Weihrauch beginnt am Baum

Bevor Weihrauch in kleinen Gläsern oder Tütchen bei uns landet, beginnt seine Geschichte in trockenen und teilweise ausgesprochen kargen Landschaften.

Boswellia-Arten sind Bäume oder Sträucher, die je nach Art unter anderem in Teilen Afrikas, auf der Arabischen Halbinsel oder auf dem indischen Subkontinent vorkommen.

Wird ihre Rinde angeritzt, tritt ein klebriges Harz aus. Dieses trocknet an der Luft und bildet nach und nach die bekannten Harzstücke, die wir als Weihrauch verwenden.

Doch nicht jedes Weihrauchharz stammt vom selben Boswellia-Baum.

Vier deutlich getrennte kleine Harzproben auf neutralem Untergrund
Vier deutlich getrennte kleine Harzproben auf neutralem Untergrund

Boswellia sacra – der Weihrauch aus Oman, Jemen und Somalia

Eine der bekanntesten Weihraucharten ist Boswellia sacra.

Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt nach den botanischen Daten von Kew im nördlichen und nordöstlichen Somalia sowie vom südlichen Jemen bis in den Südwesten Omans.

Die Bäume wachsen dort vor allem in sehr trockenen Landschaften.

Aus Boswellia sacra wird ein Weihrauch gewonnen, der im Handel besonders häufig mit Oman und der historischen Weihrauchtradition der Arabischen Halbinsel verbunden wird.

Je nach Herkunft, Ernte und Sortierung können die Harzstücke unterschiedlich aussehen. Deshalb sollte man nicht davon ausgehen, dass jedes Harzkorn einer Boswellia-Art exakt dieselbe Farbe besitzen muss.

Und was ist Boswellia carteri?

Hier wird es interessant.

Denn im Weihrauchhandel begegnet dir sehr häufig der Name Boswellia carteri.

Botanisch wird Boswellia carteri von Kew heute jedoch nicht als eigenständige akzeptierte Art geführt, sondern als Synonym von Boswellia sacra.

Das bedeutet nicht, dass Händler automatisch etwas „Falsches“ verkaufen, wenn auf einer Verpackung Carterii oder Carteri steht. Handelsnamen, ältere botanische Bezeichnungen und aktuelle wissenschaftliche Taxonomie können nebeneinander weiterbestehen.

Für uns ist vor allem wichtig:

Boswellia carteri und Boswellia sacra sollten nicht einfach als zwei völlig unterschiedliche botanische Arten dargestellt werden.

Genau deshalb lohnt es sich bei Weihrauch, nicht nur auf einen schönen Sortennamen zu schauen.

Boswellia serrata – der indische Weihrauch

Eine deutlich andere geografische Heimat besitzt Boswellia serrata.

Diese Art stammt vom indischen Subkontinent. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet umfasst nach Kew unter anderem Indien, Assam und den westlichen Himalaya.

Auch Boswellia serrata gehört zu den Bäumen, deren Harz als Weihrauch beziehungsweise Olibanum genutzt wird.

Vielleicht kennst du den Namen allerdings aus einem ganz anderen Zusammenhang: Boswellia serrata taucht häufig in Nahrungsergänzungsmitteln und Pflanzenextrakten auf.

Das ist jedoch etwas anderes als das Räuchern des Harzes.

Für unsere Räucherkunde interessiert uns an dieser Stelle zunächst der Baum und sein Harz.

Damit haben wir bereits zwei geografisch sehr unterschiedliche Weihrauchwelten:

Boswellia sacra → Arabische Halbinsel und Somalia

Boswellia serrata → indischer Subkontinent

Und es gibt noch weitere.

Boswellia papyrifera – Weihrauch aus Nordostafrika

Boswellia papyrifera führt uns wieder nach Afrika.

Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art erstreckt sich laut Kew von Nordost-Nigeria über verschiedene Regionen Nordostafrikas bis nach Eritrea und in den Nordosten Ugandas. Dazu gehören unter anderem Äthiopien und Sudan.

Die Art wächst vor allem in saisonal trockenen tropischen Gebieten.

Im Handel und in botanischen Sammlungen begegnet man ihrem Harz unter anderem als äthiopischem Weihrauch.

Gerade daran sieht man allerdings sehr schön, warum Herkunftsangaben allein manchmal schwierig sind.

Ein Land ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer einzigen Boswellia-Art. Verschiedene Arten können in unterschiedlichen Regionen vorkommen und Harze werden außerdem gehandelt und weiterverarbeitet.

Wenn du genau wissen möchtest, was du vor dir hast, ist deshalb der botanische Name wesentlich hilfreicher als lediglich die Bezeichnung „afrikanischer Weihrauch“.

Boswellia frereana – Maydi aus Somalia

Eine besonders interessante Art ist Boswellia frereana.

Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt im Norden und Nordosten Somalias.

Das Harz wird dort unter anderem Maydi beziehungsweise Maidi genannt.

Eine Besonderheit: Das Harz von Boswellia frereana wird traditionell nicht nur als Weihrauch verbrannt, sondern auch gekaut.

Das zeigt wunderbar, wie unterschiedlich Menschen mit den Harzen verschiedener Boswellia-Arten umgehen.

Für uns bedeutet das allerdings nicht, dass Weihrauchharz aus dem Räucherbedarf einfach zum Verzehr geeignet wäre. Herkunft, Reinheit und vorgesehene Verwendung eines Produktes müssen dabei unbedingt berücksichtigt werden.

Vier bekannte Boswellia-Arten auf einen Blick

Boswellia-Art Natürliches Verbreitungsgebiet Häufige Bezeichnung
Boswellia sacra Somalia, Jemen, Oman arabischer/Oman-Weihrauch
Boswellia serrata indischer Subkontinent indischer Weihrauch
Boswellia papyrifera Teile Nordost- und Zentralafrikas u. a. äthiopischer Weihrauch
Boswellia frereana Nord- und Nordostsomalia Maydi/Maidi

Diese vier sind übrigens nicht die einzigen Boswellia-Arten.

Die Gattung ist wesentlich vielfältiger. Für den Einstieg in die Welt der Weihrauchharze sind sie jedoch besonders interessant, weil ihre Namen im Zusammenhang mit Weihrauch immer wieder auftauchen.

Karte/Illustration mit Arabischer Halbinsel, Ostafrika und Indien
Karte/Illustration mit Arabischer Halbinsel, Ostafrika und Indien

Riechen alle Weihrauchsorten gleich?

Nein – und genau hier wird Weihrauch richtig spannend.

Harze können sich beim Räuchern deutlich voneinander unterscheiden.

Je nach Material können Menschen den Duft beispielsweise als:

  • frisch,
  • zitronig,
  • balsamisch,
  • warm,
  • harzig,
  • würzig,
  • süßlich oder
  • erdig

wahrnehmen.

Solche Duftbeschreibungen sind allerdings keine botanischen Eigenschaften mit einer festen Skala.

Geruch ist subjektiv.

Hinzu kommt, dass nicht nur die Boswellia-Art Einfluss auf ein Harz hat. Auch Herkunft, Standortbedingungen, Erntezeitpunkt, Lagerung und Sortierung können eine Rolle spielen.

Deshalb finde ich es viel interessanter, verschiedene Weihrauchharze selbst nebeneinander zu räuchern, als sich ausschließlich auf Duftbeschreibungen eines Shops zu verlassen.

Kleine naturkundliche Harzsammlung in Gläsern + Notizbuch
Kleine naturkundliche Harzsammlung in Gläsern + NotizbuchWeih

Warum haben Weihrauchharze unterschiedliche Farben?

Auch die Farbe kann stark variieren.

Weihrauch begegnet uns beispielsweise in:

cremefarbenen, gelblichen, goldenen, bernsteinfarbenen, bräunlichen oder teilweise grünlich wirkenden Harzstücken.

Dabei wäre es zu einfach zu sagen:

Eine Farbe = eine Boswellia-Art.

Die Optik eines Naturharzes kann von mehreren Faktoren beeinflusst werden.

Deshalb sollte die Farbe allein nicht zur botanischen Bestimmung eines Weihrauchs verwendet werden.

Wenn du wissen möchtest, welche Art du kaufst, achte lieber auf eine nachvollziehbare Deklaration des botanischen Namens und der Herkunft.

Was bedeutet Olibanum?

Vielleicht hast du auf einer Weihrauchverpackung schon einmal den Begriff Olibanum gelesen.

Damit ist ebenfalls Weihrauch gemeint.

Der Begriff begegnet einem besonders häufig im Handel, in älterer Literatur und im Zusammenhang mit Duft- und Räucherstoffen.

Wenn auf einem Produkt also „Olibanum“ steht, handelt es sich nicht automatisch um eine weitere Boswellia-Art.

Es ist eine Bezeichnung für Weihrauch beziehungsweise Weihrauchharz.

Handelsname und botanischer Name sind nicht dasselbe

Das ist wahrscheinlich eine der wichtigsten Erkenntnisse, wenn man beginnt, sich intensiver mit Weihrauch zu beschäftigen.

Auf einem Produkt können Bezeichnungen stehen wie:

Royal Hojari, Maydi, Oman-Weihrauch, Olibanum, Carterii oder indischer Weihrauch.

Diese Namen können sich auf ganz unterschiedliche Dinge beziehen:

  • eine botanische Art,
  • eine Herkunft,
  • eine Handelsbezeichnung,
  • eine Qualitäts- oder Sortierungsstufe,
  • einen traditionellen Namen.

Deshalb kann man die Begriffe nicht einfach miteinander vergleichen.

Ein botanischer Name wie Boswellia sacra beantwortet eine andere Frage als eine Handelsbezeichnung.

Das eine sagt uns etwas über die Pflanze.

Das andere kann beispielsweise etwas über Herkunft, Sortierung oder Vermarktung des Harzes aussagen.

Welche Weihrauchsorte eignet sich zum Räuchern?

Mehrere Boswellia-Harze werden traditionell als Weihrauch verwendet.

Welche Sorte dir am besten gefällt, hängt deshalb vor allem davon ab, welchen Duft du bevorzugst.

Für den Einstieg würde ich gar nicht versuchen, sofort die vermeintlich „beste“ oder teuerste Weihrauchsorte zu kaufen.

Spannender ist eine kleine Auswahl unterschiedlicher Harze.

Nimm jeweils nur ein kleines Stück und räuchere die Sorten nacheinander unter möglichst ähnlichen Bedingungen.

So kannst du selbst beobachten:

Wie schnell entwickelt sich der Duft?

Wie verändert er sich beim Erwärmen?

Wie stark raucht das Harz?

Welche Duftnoten nimmst du wahr?

Und welche Sorte gefällt dir?

Denn am Ende entscheidet nicht die schönste Produktbeschreibung darüber, welchen Weihrauch du gerne riechst.

Ein kleines Weihrauch-Tagebuch

Wenn dich Harze interessieren, kannst du daraus sogar ein kleines Naturbeobachtungsprojekt machen.

Notiere dir beispielsweise:

Botanischer Name:
Boswellia …

Herkunft:
wenn bekannt

Aussehen:
Farbe, Größe, Struktur

Duft des kalten Harzes:
Was nimmst du wahr?

Duft beim Erwärmen:
Wie verändert er sich?

Kohle oder Stövchen:
Welche Methode hast du verwendet?

Mein Eindruck:
Was erinnert dich der Duft?

So lernst du Weihrauch nicht über irgendwelche Versprechen kennen, sondern durch deine eigene Beobachtung.

Und genau das ist für mich Naturwissen.

Weihrauch ist viel mehr als ein einzelnes Harz

Wenn wir von „Weihrauch“ sprechen, klingt es zunächst so, als würden wir über einen einzigen Naturstoff sprechen.

Tatsächlich steckt dahinter eine ganze Pflanzengattung.

Boswellia-Bäume wachsen in unterschiedlichen trockenen Landschaften Afrikas, Arabiens und Indiens. Menschen gewinnen ihre Harze seit sehr langer Zeit und verwenden sie unter anderem als Räucherstoffe.

Und plötzlich wird aus einem kleinen gelblichen Harzkorn eine viel größere Geschichte:

Welcher Baum hat dieses Harz gebildet?

Wo ist er gewachsen?

Wie wurde das Harz gewonnen?

Und warum riecht dieses Stück anders als das nächste?

Genau diese Fragen machen Weihrauch für mich so spannend.

Denn dann ist Weihrauch nicht mehr einfach nur etwas, das gut riecht.

Er wird wieder zu dem, was er ursprünglich ist:

ein Naturstoff, der von einem Baum stammt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert