Echter Weihrauch oder Weihrauchpflanze? Das ist der Unterschied

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Echter Weihrauch oder Weihrauchpflanze? Das ist der Unterschied

Wer eine sogenannte Weihrauchpflanze im Gartencenter entdeckt, könnte leicht glauben, dass hier der berühmte Weihrauch wächst, der seit Jahrtausenden verbrannt, gehandelt und in verschiedenen Kulturen verwendet wird.

Doch die duftende Balkonpflanze und die Bäume, von denen echtes Weihrauchharz stammt, sind botanisch zwei ganz verschiedene Dinge.

Echter Weihrauch wird aus dem Harz verschiedener Boswellia-Arten gewonnen. Diese Bäume und Sträucher wachsen unter anderem in trockenen Regionen Afrikas und der Arabischen Halbinsel. Die bei uns bekannte „Weihrauchpflanze“ aus Gartencenter, Balkonkasten oder Kübel gehört dagegen nicht zur Gattung Boswellia.

Der gemeinsame Name führt deshalb ziemlich in die Irre.

Und noch etwas ist spannend: Weihrauch ist eigentlich keine Pflanze, sondern ein Harz. Um zu verstehen, woher es kommt, müssen wir also zuerst den Baum dahinter kennenlernen.

Was ist echter Weihrauch?

Als Weihrauch – auch Olibanum genannt – bezeichnet man das getrocknete Gummiharz verschiedener Bäume der Gattung Boswellia.

Die Gattung gehört zu den Balsambaumgewächsen (Burseraceae). Zu ihr gehören verschiedene Arten, deren Harze als Weihrauch genutzt werden.

Eine der bekanntesten ist Boswellia sacra. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt nach botanischen Angaben unter anderem in Somalia, im südlichen Jemen und im Südwesten Omans.

Das sind keine üppigen tropischen Wälder. Weihrauchbäume sind an trockene, teilweise ausgesprochen karge Landschaften angepasst.

Boswellia sacra wächst als kleiner Baum oder Strauch und besitzt eine auffällige, papierartig abblätternde Rinde. Unter dieser äußeren Rindenschicht befindet sich Gewebe, in dem das begehrte Harz gebildet wird.

Und genau dort beginnt die Geschichte des Weihrauchs.

Weihrauch wächst nicht als fertiges Harzkorn am Baum

Die hellen bis gelblichen Harzstücke, die wir als Räucherwerk kennen, hängen nicht einfach wie kleine Früchte an den Zweigen.

Zur traditionellen Gewinnung wird die Rinde eines Weihrauchbaumes angeritzt.

Aus der verletzten Stelle tritt zunächst eine klebrige Flüssigkeit aus. An der Luft verändert und verfestigt sie sich. Nach einiger Zeit können die entstandenen Harzstücke geerntet werden.

Die typischen „Weihrauchtränen“ sind also das Ergebnis einer Verletzung des Baumes.

Das macht Weihrauch aus Sicht des Naturwissens besonders interessant: Was für den Menschen seit Jahrtausenden ein begehrter Rohstoff ist, gehört ursprünglich zum biologischen System einer Pflanze.

Warum bildet ein Weihrauchbaum überhaupt Harz?

Ein Weihrauchbaum produziert sein Harz natürlich nicht, damit wir es später verbrennen können.

Harz- und Gummiharzsysteme von Pflanzen stehen unter anderem im Zusammenhang mit dem Umgang der Pflanze mit Verletzungen und ihrer Verteidigung gegenüber biologischen Angreifern.

Wird die Rinde verletzt, tritt das Sekret an der beschädigten Stelle aus.

Genau diese natürliche Reaktion haben Menschen irgendwann für sich entdeckt und gelernt, das austretende Harz gezielt zu gewinnen.

Damit erzählt Weihrauch eigentlich eine typische Geschichte zwischen Pflanze und Mensch:

Eine Pflanze besitzt eine bestimmte biologische Eigenschaft – und Menschen entdecken, dass sich daraus ein wertvoller Rohstoff gewinnen lässt.

Wo wächst echter Weihrauch?

Eine besonders berühmte Weihrauchregion liegt im heutigen Oman.

Im Wadi Dawkah in der Region Dhofar wachsen bis heute Weihrauchbäume der Art Boswellia sacra. Die Bedeutung des Weihrauchhandels war so groß, dass die UNESCO mehrere historische Orte Omans unter dem Namen „Land of Frankincense“ zum Welterbe zählt.

Dazu gehören neben dem Gebiet mit Weihrauchbäumen auch ehemalige Handelsplätze und Häfen.

Das zeigt, welche Bedeutung ein unscheinbares Pflanzenharz einmal hatte.

Weihrauch war nicht nur Räucherwerk. Er war über Jahrhunderte ein bedeutendes Handelsgut, das Landschaften, Handelswege und Kulturen miteinander verband.

Gibt es nur eine Art „echten“ Weihrauch?

Nein – und genau hier werden viele vereinfachte Erklärungen ungenau.

Weihrauch stammt nicht ausschließlich von einer einzigen Pflanzenart.

Verschiedene Boswellia-Arten liefern Harze, die als Weihrauch genutzt werden. Welche Art dahintersteht, hängt unter anderem von Herkunft und Handelsprodukt ab.

Boswellia sacra gehört zu den bekanntesten Weihrauchbäumen. Auch andere Arten der Gattung spielen regional eine wichtige Rolle.

Deshalb ist die Aussage „Das ist der echte Weihrauchbaum“ ohne weitere Einordnung oft zu einfach.

Treffender ist:

Echter Weihrauch stammt aus dem Harz von Boswellia-Arten.

Und was ist dann unsere Weihrauchpflanze?

Jetzt kommt die Pflanze ins Spiel, die viele von Balkon, Terrasse oder Gartencenter kennen.

Sie wird im Handel häufig schlicht als Weihrauchpflanze bezeichnet. Man begegnet dabei auch dem botanischen Namen Plectranthus coleoides. Botanische Datenbanken führen diesen Namen inzwischen allerdings als Synonym; die Namensgebung innerhalb dieser Pflanzengruppe wurde mehrfach verändert.

Entscheidend für uns ist etwas anderes:

Diese Pflanze gehört nicht zur Gattung Boswellia und ist damit nicht der Baum, aus dessen Harz der traditionelle Weihrauch gewonnen wird.

Die Ähnlichkeit steckt vor allem im Namen und im auffälligen aromatischen Duft.

Reibt man an ihren Blättern oder bewegt die Pflanze, kann man diesen oft deutlich wahrnehmen.

Weihrauchbaum und Weihrauchpflanze im Vergleich

Echter Weihrauch sogenannte Weihrauchpflanze
Pflanzengruppe Boswellia andere Pflanzengattung
Wuchs Baum oder Strauch krautige Zierpflanze
Bekannt für Gummiharz aromatisch duftende Blätter
Weihrauchharz ja, je nach Boswellia-Art nein
Verwendung bei uns vor allem Harz/Räucherwerk Balkon- und Kübelpflanze
Botanisch eng verwandt? nein

Wer also eine Weihrauchpflanze auf dem Balkon besitzt, hat damit keinen kleinen Weihrauchbaum im Balkonkasten.

Eine Pflanze, die Handelswege geprägt hat

Besonders faszinierend wird Weihrauch, wenn wir nicht nur auf das Harzkorn schauen.

Seit Jahrtausenden wird Weihrauch in unterschiedlichen Regionen gehandelt und verwendet. Er spielte unter anderem bei religiösen Zeremonien eine Rolle und wurde traditionell auch für verschiedene andere Zwecke eingesetzt.

Im Süden der Arabischen Halbinsel entstanden Handelswege, Sammelgebiete und Hafenorte rund um diesen Rohstoff.

Das heutige UNESCO-Welterbe „Land of Frankincense“ im Oman erinnert noch daran.

Damit steckt in einem einzigen Stück Weihrauch eine erstaunliche Verbindung:

Baum – Landschaft – Harz – menschliche Nutzung – Handel – Kultur.

Genau deshalb lohnt es sich, bei Pflanzenprodukten manchmal die einfache Frage zu stellen:

Welche Pflanze steckt eigentlich dahinter?

Wird Weihrauch auch traditionell medizinisch verwendet?

Ja. Harze verschiedener Boswellia-Arten haben in unterschiedlichen traditionellen Medizinsystemen eine lange Geschichte.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede überlieferte Anwendung wissenschaftlich bestätigt ist.

Auch moderne Forschung beschäftigt sich mit Inhaltsstoffen verschiedener Boswellia-Arten. Dabei muss genau unterschieden werden zwischen traditioneller Verwendung, Labor- oder Tierstudien und tatsächlich belegten medizinischen Anwendungen beim Menschen.

Weihrauch sollte deshalb nicht pauschal als Heilmittel für bestimmte Erkrankungen dargestellt werden.

Für seine Geschichte ist die traditionelle Verwendung trotzdem interessant: Sie zeigt erneut, wie intensiv Menschen sich bereits seit sehr langer Zeit mit den Eigenschaften dieser Bäume und ihrer Harze beschäftigt haben.

Warum Weihrauch mehr ist als ein Duft

Vielleicht liegt zu Hause ein kleines Tütchen Weihrauchharz. Vielleicht steht sogar eine „Weihrauchpflanze“ auf dem Balkon.

Beides trägt denselben Namen – botanisch liegen jedoch Welten dazwischen.

Hinter echtem Weihrauch stehen knorrige Boswellia-Bäume, die unter trockenen und teilweise extremen Bedingungen wachsen. Ihr Harz wurde zu einem begehrten Rohstoff, wanderte über historische Handelswege und fand Eingang in die Traditionen verschiedener Kulturen.

Und die vermeintliche Weihrauchpflanze aus unserem Balkonkasten?

Die erzählt eine ganz andere Pflanzengeschichte.

Genau solche Namensverwirrungen zeigen, warum es sich lohnt, Pflanzen nicht nur zu verwenden, sondern sie genauer kennenzulernen.

Denn manchmal steckt hinter einem vertrauten Namen eine völlig andere Pflanze, als wir erwarten.

Häufige Fragen

Ist die Weihrauchpflanze auf dem Balkon echter Weihrauch?

Nein. Die unter diesem Namen angebotene Zierpflanze gehört nicht zur Gattung Boswellia. Das traditionelle Weihrauchharz wird von verschiedenen Boswellia-Arten gewonnen.

Ist Boswellia sacra der echte Weihrauch?

Boswellia sacra ist eine wichtige Weihrauchart, aber nicht die einzige Boswellia-Art, deren Harz als Weihrauch verwendet wird. „Echter Weihrauch“ sollte deshalb nicht ausschließlich mit einer einzigen Art gleichgesetzt werden.

Wo wächst Boswellia sacra?

Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst nach botanischen Daten Somalia sowie Teile des südlichen Jemens und des südwestlichen Omans. Die Art wächst vor allem in trockenen Lebensräumen.

Ist Boswellia carteri eine andere Weihrauchart?

Der Name taucht weiterhin häufig im Handel und in älterer Literatur auf. Die botanische Datenbank Plants of the World Online der Royal Botanic Gardens, Kew führt Boswellia carteri derzeit als Synonym von Boswellia sacra.

Was wird beim Weihrauch eigentlich geerntet?

Geerntet wird das aus der verletzten Rinde austretende und anschließend erhärtete Gummiharz – nicht etwa eine Frucht oder ein Pflanzensamen.

Fazit

Echter Weihrauch und die sogenannte Weihrauchpflanze haben vor allem eines gemeinsam: ihren deutschen Namen.

Das berühmte Weihrauchharz stammt von Boswellia-Bäumen, während die bekannte Balkonpflanze botanisch zu einer ganz anderen Pflanzengruppe gehört.

Noch spannender als diese Verwechslung ist jedoch die Geschichte dahinter. Ein Baum, der in kargen Landschaften wächst und auf Verletzungen mit einem harzigen Sekret reagiert, wurde für Menschen zu einem kostbaren Rohstoff und prägte Handelswege und kulturelle Traditionen.

Manchmal beginnt Naturwissen eben bei etwas so Einfachem wie einem kleinen Stück Harz.

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